Der Kritiker
Der Kritiker
Der renommierte Kunstkenner Jerry Saltz berichtet für uns aus New York

Jeff Koons' Album-Cover für Lady Gaga

08.10.2013

Ein neuer Tag, ein neuer Ständer von Jeff Koons, dem Teletubby der Kunstwelt: Cover-„Art“ für Lady Gagas kommendes Album „Artpop“. Gaga sagt, es hndele sich um "eine echte Darstellung meines Geistes durch seinen Geist". Was Sinn ergibt, wenn man feststellt, dass beide ihren Geist zwischen den Beinen tragen.

Das Bild sieht aus wie eine beschissene Version einer Roy-Lichtenstein-Skulptur oder eine Käsekuchen-Aufblaspuppe aus einem alten Pornoschuppen in der 42nd Street oder wie ein misogynes Barbara-Kruger-Poster. Auf dem Bild ist ein realistischer Abguss von Gaga, sitzend, uns ihre Titten anpreisend und mit weit gespreizten Beinen. Einer von Koons‘ glänzenden blauen Bällen liegt zwischen ihren Oberschenkeln. Der Ball ist nicht einer von Koons‘ üblichen Bällen, sondern aus spiegelndem Glas wie die, die seine jüngsten, klassischen Gipsstatuen begleiten. Gaga sitzt auf einem sockelartigen Ding mitten in einem Bild, das einem zerbrochenen Spiegel gleicht, mit Scherben von Botticellis „Geburt der Venus“.

Ich glaube, Gaga gebärt die Welt durch die Vermählung ihrer Vagina mit Jeffs Ball. Oder der Ball ist ihre Vorstellung von Vajazzling. Worum auch immer es in diesem Neo-Cicciolina-Schwachsinn geht, es sieht aus wie eine kümmerliche Arbeit irgendeines abgemeldeten Künstlers.

Es stünde besser drum, wenn Jeff Koons die Lady Gaga der Kunstwelt – das wäre Larry Gagosian – abgegossen hätte und zwischen dessen Beinen den Ball platziert hätte. Wie auch immer, wie Mr. T gesagt hätte: „Der Idiot tut mir Leid.“
 

Tags: Jeff Koons, Lady Gaga

Versenden | Bookmarken | Drucken
Vorheriger Eintrag Zum Tod von Walter De Maria, der meine Vergangenheit heraufbeschwört und meine Zukunft bestimmt hat | Blog Home | Nächster Eintrag Ein paar Gedanken zu unseren Museen, was sie tun, wozu sie gut sind
comments powered by Disqus
ÜBER DEN BLOG
RSS Feed
Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
TAGS
ANZEIGE
KALENDER

ANZEIGE