Das Ende der Welt

29.04.2014

Süd-West-Berlin
Wannsee

Das ist der Wannsee in Berlin. Im Januar 1942 traf sich hier die Führungsriege von Nazi-Deutschland. Die Wannsee-Konferenz, einberufen von SS-Reichssicherheitshauptamt und SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, entschied die Endlösung.

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Why does the sun go on shining
Why does the sea rush to shore
Don't they know it's the end of the world ...

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Guten Morgen, Berlin!

29.04.2014
Alle Fotos: Jerry Saltz
Alle Fotos: Jerry Saltz

Berlin! Ich liebe diesen Ort; noch immer. Immer mehr. Sonntag. Aufwachen. Ein leckerer Kaffee am Brandenburger Tor ... Ein kleiner Scherz. Im Hotelzimmer ein paar Stunden am Computer, schreiben. Auf diesem Foto sieht man unser Zimmer; die Computer stehen Rücken an Rücken; meine Frau und ich können uns bei der Arbeit in die Augen sehen und füßeln; seufz.

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Jerry Saltz über die Polke-Schau im MoMA

24.04.2014

Die ausladende, extravagante Ausstellung „Alibis: Sigmar Polke 1963-2010“ ist richtig gut. Wie könnte es auch anders sein, angesichts von mehr als 260 Werken eines großartigen Künstlers. Als Polke 2010 im Alter von 69 Jahren starb, befand John Baldessari, dass „ein weniger bedeutender Künstler eine ganze Karriere auf einer einzigen Polke-Idee aufbauen könnte“. Chrissie Iles, die Kuratorin des Whitney Museums, sagte: „Ich mag Begriffe wie 'Meister' nicht besonders, aber Polke ist einer; das weiß er, und wir wissen es auch.“

Mir scheint er wie eine Art Stein von Rosette für junge Künstler zu sein, ein Künstler, dessen Lust am Material, anarchische Erfindungskraft und halluzingene, an Blake erinnernde Fantasie ihn in eine Reihe mit einflussreichen Nachkriegskünstlern wie Pollock, Johns, Rauschenberg, Warhol und seinen alten Freund (und seine Nemesis) Gerhard Richter stellt. Er hat auf ganz eigenständige, atemberaubend visuelle, hintersinnige Weise Pop, Konzeptkunst, Neo-Dada, Fluxus und Konstruktivismus vermischt, und sie mit philosophischer Tiefe, sozialem Biss und einer bemerkenswerten Kombination von Chaos und Kontrolle ausgestattet.  ... weiterlesen

Künstler, Schluss mit dem Selbstmitleid!

11.04.2014

An alle Künstler: ein wenig Anschauungsunterricht (und Anmerkungen, wie man mit dem beliebten Mythos vom unverstandenen und leidenden Künstler umgehen sollte).

Wir müssen zunächst die Geschichte der Figur des Künstlers in eine Zeit vor und eine Zeit nach Van Gogh unterteilen.
Vor Van Gogh fragte sich ein Künstler, der mit seiner Kunst keinen Erfolg hatte: „Was stimmt eigentlich nicht mit mir?“
Seit Van Gogh fragt sich ein Künstler, der mit seiner Kunst keinen Erfolg hat: „Was stimmt eigentlich nicht mit den Leuten?“
Ihr MÜSST diesen Teil des MYTHOS’ vergessen! Sofort. Immer – und ich meine wirklich JEDES MAL!  ... weiterlesen

Das uneingelöste Versprechen des Malers George Bush

07.04.2014
Blick in die Ausstellung von George W. Bush in Dallas (Foto: dpa)
Blick in die Ausstellung von George W. Bush in Dallas (Foto: dpa)

Wenn ich die Gemälde von George W. Bush betrachte, sehe ich einen amerikanischen Albtraum, so irrsinnig und abstoßend wie Bushs Präsidentschaft. Als Kunstkritiker muss ich allerdings gestehen, dass ich sofort zugreifen würde, wenn ich auf dem Flohmarkt über ein paar seiner Bilder stolpern würde.

2013 gab es einen ersten Schwung seiner Malereien, Landschaftsbilder, Kirchenansichten, Bush selbst in der Badewanne und andere Szenen. Gefallen haben sie mir wegen ihrer reinen, eigenartigen Selbstvergessenheit, wegen der besinnungslosen Ernsthaftigkeit seiner figürlichen Unternehmungen, seinem schrägen Sinn für Form und Raum, wegen Licht, Farbe und den weichen Konturen. Hätte ich den Künstler nicht gekannt, dann hätte ich vermutlich auf einen ehrgeizigen High-School-Schüler im Abschlussjahr getippt, vielleicht eine Schönheitskönigin, die ihr Spektrum erweitern will, oder ein etwas boshafter Verbindungstyp, der seinem Vater, womöglich beim Onanieren, in der Dusche nachspioniert. Ich mochte die amateurhaften Bilder für ihre leicht perversen gestalterischen Ideen und die abwegigen Motive.  ... weiterlesen

Neuer Zynismus: Stefan Simchowitz als Inbegriff des Spekulanten-Sammlers

07.04.2014

Im letzten Jahr konnte man zusehen, wie Sammler und Auktionshäuser sich ihren eigenen Kunstmarkt schaffen. Sie lassen dabei im wesentlichen Händler, Galerien und Kritiker außen vor und suchen sich ihre Künstler nach eigenen Maßstäben. Dann kaufen sie deren Werke billig in größeren Mengen ein und speisen sie zu erheblich erhöhten Preisen in ein Netzwerk aus gleichgesinnten Spekulanten-Sammlern ein. So konnte man den Aufstieg von – vor allem männlichen – Künstlern in den frühen 20ern beobachten, die allein durch die Profitrate für Gesprächsstoff sorgten.

Der ärgerliche Trend selbst wurde nur gelegentlich thematisiert – bis das Online-Magazin Artspace ein sehr langes Interview von Andrew Goldstein mit dem seiner eigenen Meinung nach "eminenten Sammler" Stefan Simchowitz veröffentlichte. (Ich bin einer der Leute, die Simchowitz im Gespräch kritisiert, aber das ist mir eigentlich egal.) Der Text versammelt in fünftausend Worten alles, was an dieser neuen Spezies so abstoßend ist. Nennen wir die Strömung Neuer Zynismus ... weiterlesen

Höhepunkt des Details: Jerry Saltz über den Film "Finding Vivian Maier"

03.04.2014

Die Geschichte wirkt fast zu gut, um wahr zu sein: Eine der großartigsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts, deren allesverschlingender, hyperempfänglicher Blick sich mit jedem Kameravisionär messen kann, war bis 2007 völlig unbekannt. Damals ersteigerte ein junger Mann aus Chicago namens John Maloof, der nach Bildmaterial für ein Buch über einen Stadtteil in Chicago suchte, auf einer Autkion eine Kiste mit Fotonegativen einer gewissen Vivian Maier – 380 Dollar zahlte er für ihre 30.000 bis 40.000 Bilder aus den 50er- bis 70er-Jahren. Für sein Projekt erwiesen sie sich zwar als unbrauchbar, doch dafür erschlossen sie eine ganz neue Welt. Ein Star war geboren. Dass zufällig gerade dieser Käufer auf dieser Auktion über diese Bilder stolperte, einer, der die Mittel und die Hingabe besaß, der Lebensgeschichte dieser außergewöhnlichen Frau nachzugehen, kann man fast schicksalhaft finden.

In ihrer fesselnden, 83-minütigen Dokumentaton „Finding Vivian Maier“ folgt man nun Maloof und Co-Regisseur Charlie Siskel auf ihrer Spurensuche und bekommt einen Einblick in Maiers kreatives Universum, wie sie tickte, wie sie arbeitete. Ein Großteil des Films beruht auf nüchternen Interviews mit ihren ehemaligen Arbeitgebern, die wiederum mit schönen Bildern belegt werden. Man sieht Maloof, wie er die zahllosen Bilder auf dem Fußboden ausbreitet, er beschreibt die Versuche, Maier zu finden. Und er zeigt dazu jede Menge ihrer wundervollen Fotografien. Als Kindermädchen in Chicago hatte Maier stets Anstellungen, in denen sie versorgt war und sich dabei um ihre Kunst kümmern konnte. Sie wurde so zu einer Dienerin ihrer Gabe, sie widmete ihren ganzen Diensteifer ihrer eigentlichen Leidenschaft.  ... weiterlesen

ÜBER DEN BLOG
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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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