Platz ist sexy: Offener Brief ans Met Museum

28.05.2014
Hat viel vor: Metropolitan Museum in New York (Foto: dpa)
Hat viel vor: Metropolitan Museum in New York (Foto: dpa)

Liebes Metropolitan Museum of Art,

Meinen Glückwunsch zur Ankündigung, Deinen Lila Acheson Wallace-Flügel für moderne und zeitgenössische Kunst komplett neu zu bauen. Das ist nicht nur ein netter Schuss vor den Bug der anderen New Yorker Museen: Indem Du das ganze Ding, wie es scheint umstandslos, abreißt, gestehst Du ehrlich und gradheraus, dass es die schwächste und schlechtest eingerichtete Sektion Deiner glorreichen Schatzkammer ist. Dies übrigens schon seit ihrer Eröffnung 1987.

Dein Entschluss kommt genau zur richtigen Zeit. Das Whitney wird erstmal vollauf damit beschäftigt sein, sich in seiner neuen Downtown-Heimat einzuleben (wir drücken Dir alle die Daumen, Whitney); das MoMA begeht derzeit Selbstmord durch Architektur (Herr Lowry, reißen Sie diese Ausbaupläne ein!); was im Guggenheim läuft, ist völlig unklar; und das Brooklyn Museum hat zwar ganz wunderbare Räume, aber keine Ahnung, wie man sie sinnvoll mit der tollen Sammlung bestücken soll.  ... weiterlesen

Warum Oscar Murillos Marshmallow-Fabrik einen schlechten Nachgeschmack hinterlässt

19.05.2014

Mit seinen 28 Jahren ist Oscar Murillo ein Liebling des Kunstmarkts. Seine Werke gehen schon mal für für eine halbe Million Dollar weg, aber künstlerisch wirkt er wie ein Student. Seine Kunst sieht aus wie eine geschickte Kombination aus Julian Schnabel, Jean-Michel Basquiat und Joe Bradley, für den er angeblich gearbeitet, dessen Ansatz er jedenfalls stark verinnerlicht hat.

Nicht, dass es ihm an Talent fehlt: Seine beinah monochromen Abstraktionen auf Abdeckplanen oder die funky geometrischen Bilder mit Schriftzügen interessieren mich zwar nicht besonders, aber ich mag seinen angenehmen Sinn für warme Farben, den hübschen Strich und seinen ausgeprägten Ehrgeiz. Davon abgesehen unterscheiden sich seine Werke allerdings nicht im Geringsten von zahllosen anderen abstrakten Sachen, die im Moment und zu ständig steigenden Preisen bei den Spekulanten-Sammlern so beliebt sind.  ... weiterlesen

Ed Ruschas bemerkenswerte Sicht auf Alte Meister

09.05.2014
Giovanni Bellinis „Der heilige Franziskus in Ekstase" (ca. 1480)
Giovanni Bellinis „Der heilige Franziskus in Ekstase" (ca. 1480)

Ich habe fast alles, was ich über Kunst weiß, beim Betrachten von Kunst und Selbstgesprächen gelernt, oder indem ich Künstlern zugehört habe, wenn sie über Kunst redeten. Ein Künstler kennt nur die Perspektive der eigenen Arbeit und seine eigenen Vorstellungen von Kunst. Für ihn existieren Höhlenmalerei und Courbet innerhalb desselben ästhetischen Bezugsrahmens. Meistens kümmert er sich nicht weiter um die kunsthistorischen Details, Hintergründe, biografischen Informationen oder den Konsens der Kritik. (Luc Tuymans sprach vor kurzem im großartigen Wiener Kunsthistorischen Museum über gescheiterte Gemälde in dessen Sammlung.)

Der selbstbezogene Blick kann dabei zugleich sehr eng und begrenzt und trotzdem ausgesprochen befreiend und anregend sein: völlig subjektiv, manchmal idiotisch, jenseits von richtig oder falsch. Ein eloquenter oder kluger Künstler kann uns Werke, die wir schon hundert Mal gesehen haben, auf ganz unerwartete Weise neu erschließen – und dann übernimmt man diese Einsichten.  ... weiterlesen

Zurzeit ist sogar George W. Bush ein besserer Künstler als James Franco

05.05.2014
 James Franco (Foto: dpa)
James Franco (Foto: dpa)

Die Kunstkritikerin Roberta Smith (meine Frau) hat eine vernichtende Kritik über James Francos „New Film Stills“ in der Pace Gallery geschrieben. Franco stellt darin in 65 albernen, selbstverliebten, mit ihm selbst als Quasi-Crossdresser besetzten Bildern Cindy Shermans „Film Stills“ aus den Jahren 1977- 80 nach (Abbildungen auf der Seite der Galerie). Der letzte Satz aus Robertas Rezension bringt die Sache auf den Punkt: „Irgendjemand oder irgendetwas möge ihm bitte Einhalt gebieten.“ Amen.

Ich liebe Franco als Schauspieler. In „Spring Breakers“ fand ich ihn unglaublich. (Diese eine Szene, in der er auf dem Bett herumhüpft und mit seinen Besitztümern protzt, ist schlicht fantastisch!) Er glänzt in jeder einzelnen Sekunde von „127 Hours“. Aber bei jedem seiner unermüdlichen Versuche als bildender Künstler kommt einfach nur schlechte Kunst heraus. Oder Zeugs, das aussieht wie Kunst, aber trotzdem schlecht ist. Den eigentlichen Kern des Problems deutet wiederum ein brillant-hintersinniger Kommentar von Cindy Sherman selbst an: Vom „Gallerist“-Magazin nach ihrer Meinung zu Francos Kunst gefragt, meinte sie in aller Bescheidenheit: „Das schmeichelt mir natürlich. Ich kann nicht unbedingt behaupten, dass es Kunst ist, aber ich finde es eigentlich merkwürdiger, dass Pace die Sachen ausstellt, als dass Franco sie macht.“  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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