Garry Winogrand fotografierte Amerika, als die Dämme brachen

20.08.2014

Der Fotograf Garry Winogrand war nachtsichtig. So erkannte er nicht nur die dunkle Seite seiner eigenen Ära, in seinem Sucher sah er auch schon die ersten Zeichen unserer aktuellen, hoffnungslos polarisierten, zerklüfteten Zeiten aufblitzen – ihre Paranoia, ihren Zorn, ihre blinde Moral.

Winogrand – geboren 1928 – fing mit 20 an zu fotografieren und hat danach die Kamera sein ganzes Leben lang nie mehr weggelegt. Und ich meine: Nie. Er zog wie ein Meteor von Stadt zu Stadt, von Viertel zu Viertel und kehrte dabei immer wieder an bestimmte Orte zurück. Er fotografierte Menschen, die von Sehnsucht, von Resignation, vom Gefühl der Unsichtbarkeit gezeichnet waren. Er sprach von sich selbst als einem „Zigeuner“ und spähte durch den Dunst eines sich verändernden Amerikas, sah zerbrechliche Invaliden, reiche Menschen mit feuchten Augen, Gestalten, die in ihren Rollen gefangen oder in ihrem Hass erstarrt scheinen wie pompeijanische Gipsfiguren. Die Unmittelbarkeit seiner Bilder wirkt fast erschreckend, die Nähe zu seinen Objekten aggressiv.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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