Die 14 besten Museums-Ausstellungen 2014 in New York

30.12.2014

1. "Henri Matisse: The Cut-Outs" im MoMA

Bis zum Letzten ring ich mit dir ..., dem Hass zu liebe spei' ich meine letzte Kritik nach dir, hoffend, dass Du Dir nicht länger dabei im Weg stehst, vernünftige Räume für die temporären Ausstellungen und doppelt soviel Platz für die feste Sammlung einzurichten (anstatt, wie Du es angekündigt hast, den Platz für nutzlose Event- und andere Wechselausstellungen zu verdoppeln). Mit meiner MoMA-Verachtung stehe ich ja nicht allein. Während der letzten zehn Jahre habe ich keinen Menschen getroffen, der nicht total enttäuscht vom MoMA gewesen wäre, und nicht mit ihm haderte – obwohl ich vermutlich der einzige bin, der das Museum verfolgt wie Käptn Ahab.   ... weiterlesen

Holy Shit, so lebendig kann Malerei sein: Chris Ofili setzt New York unter Starkstrom

29.12.2014
Chris Ofili "Night and Day" (Installationsansicht, Courtesy New Museum, New York, Foto: Benoit Pailley)
Chris Ofili "Night and Day" (Installationsansicht, Courtesy New Museum, New York, Foto: Benoit Pailley)

"Wenn dieses Bild zensiert wird, sage ich die Ausstellung ab", zürnte Charles Saatchi am Morgen des 18. September 1999. Wir unterhielten uns gerade während des Aufbaus der "Sensation"-Schau im Brooklyn Museum, wo der englische Megasammler rund 40 junge britische Künstler aus seiner Kollektion präsentieren wollte. Ein paar Tage zuvor hatten die New Yorker "Daily News" mit der Schlagzeile "Brooklyn-Galerie des Schreckens. Eine schauderhafte Ausstellung sorgt für Streit" aufgemacht.

Der "Streit" drehte sich um ein einziges Werk: Chris Ofilis Darstellung einer schwarzen, in Himmelblau gehüllten Frau von 1996. Ihr wellig umrissenes Gesicht scheint aus Licht produzierenden Mikroorganismen zu bestehen, und um sie herum sieht man leuchtende Punkte aus Lackfarbe sowie aus Fotos ausgeschnittene Körperteile. Die rechte Brust ist aus Elefantenkot geformt und mit schwarzen Pins verziert. Das Gemälde steht auf zwei Kugeln aus Dung, auf denen man die mit Nadeln gesteckten Wörter "Virgin" und "Mary" liest. Ohne das Bild gesehen zu haben, befand es der damalige Bürgermeister Rudolph Giuliani für "krank" und schwor, dem Museum Millionen Dollar zu streichen.

Doch jetzt wird der Fluch endlich gebrochen: mit einer atemberaubenden Ofili-Werkschau, die das ganze New Museum in New York füllt. "Night and Day", so ihr Titel, stellt für mich einiges klar: zuallererst, dass Ofili einer der besten englischen Maler der vergangenen 60 Jahre ist. Seine Ideen sind denen von Lucian Freud oder Francis Bacon weit voraus. Bei ihm zeigt sich, wie unerschöpflich die Malerei ist.  ... weiterlesen

Die 19 besten Ausstellungen des Jahres

25.12.2014
Studentin Emma Sulkowicz protestiert gegen den Umgang der Columbia-Universität mit ihren Vergewaltigungsvorwürfen (Foto: Youtube/Columbia Spectator)
Studentin Emma Sulkowicz protestiert gegen den Umgang der Columbia-Universität mit ihren Vergewaltigungsvorwürfen (Foto: Youtube/Columbia Spectator)

1. Emma Sulkowicz "Carry That Weight", Columbia University

Kunst entsteht aus vielerlei Gründen, zum Beispiel aus Empörung, messianischer Wut und dem Drang nach Gerechtigkeit. Das alles findet man in Emma Sulkowicz’ starker Performance "Carry That Weight" ebenso wie die große Tradition aktivistischer Kunst. Dabei geht es der Künstlerin hier nicht nur um ihre eigene traumatische Erfahrung, sondern auch um das Wegschauen der Columbia University. Sulkowicz’ Haltung ist klar, treffsicher, stur, unerbittlich. Seit September zieht sie mit einer 20 Kilo schweren Matratze über den Campus – einer Matratze wie die, auf der sie ihrer Schilderung nach vergewaltigt wurde. Mehr muss man dazu nicht wissen. Die Welt hat zugehört, aber die Columbia schaut immer noch weg; Sulkowicz performt weiter. Ob "Carry That Weight" zu gerechteren Zuständen führen wird, kann man nicht sagen. Ganz sicher jedoch müssen sich die Universitäten jetzt der Frage stellen, ob sie auch weiterhin die Augen vor der Situation von Frauen auf dem Campus verschließen wollen. Ein Werk reiner, radikaler Verletzlichkeit.



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Gibt es gute Kunst auf Instagram?

11.12.2014
Der Künstler Richard Prince druckt Instagram-Posts aus - und stellt Fotos von diesen Ausdrucken wieder auf Instagram (Foto via Instagram)
Der Künstler Richard Prince druckt Instagram-Posts aus - und stellt Fotos von diesen Ausdrucken wieder auf Instagram (Foto via Instagram)

Instagram wirkt auf mich wie ein Reich der Mitternachstsonne, ein weites, offenes Terrain, in dem es niemals dunkel wird. Es quillt über vor Visionen und Bildern, unbekannten Menschen und aufstrebenden Stars, schrägen Vögeln und berühmten Künstlern, die von überall her ihre Bilder posten. Gemeinsam erschaffen sie dieses dichte, abstrakte Kommunikationsgeflecht oder Bilderrätsel, das sich scheinbar nur an mich wendet, den neugierigen Kurator meines eigenen, ewig hellen Instagramlandes. Das Seltsamste in diesem seltsamen Land sind die 126000 Leute, die "mir" derzeit darin folgen, also der Vorstellung, die sie von mir haben: Vom Kunstkritiker des "New York Magazines", der sich online in Bildern austobt.  

Ich bin auf Instagram, um zu suchen. Wonach?  ... weiterlesen

Wie konnte die Kunstwelt nur so konservativ werden?

03.12.2014
Jerry Saltz stellt dutzendweise drastischere Bilder von mittelalterlichen Manuskripten in die sozialen Netzwerke (Foto: Screenshot Facebook-Seite Saltz)
Jerry Saltz stellt dutzendweise drastischere Bilder von mittelalterlichen Manuskripten in die sozialen Netzwerke (Foto: Screenshot Facebook-Seite Saltz)

Nichts bestimmt das Selbstbild der Kunstwelt so sehr, wie der Wunsch nach Freiheit für alle ihre Bewohner. Genau diese enormen Offenheit verleiht der Kunst ihre Flexibilität und reaktionssichere Handlungsfähigkeit - oder besser: verlieh.

Beweglichkeit bedeutet Leben, aber mir drängt sich in letzter Zeit immer stärker der Eindruck auf, dass sich die Kunstwelt zunehmend verhärtet und die Freiheit, die mir stets als grundlegendes Merkmal erschien – Freiheit, die Freakflagge zu schwenken und sich, und sei es noch so bizarr, auszudrücken – merklich eingeschränkt wird. Das passiert derart rasant, dass man sich fragen muss, ob die Kunstwelt nicht mittlerweile zu den eher disziplinären Bereichen der zeitgenössischen Kultur gehört. Wieso hat sich unser Lebensraum in ein derart abgeschottetes, tribalistisches Gebiet verwandelt? Woher kommen all die ungeschriebenen Gesetze und rigiden Moralvorstellungen – die bestimmen, wer Freund und wer Feind ist, was man sagen darf, und was man lieber für sich behalten sollte – die, meist anonym, in den sozialen Medien und online durch Beleidigungen und Tadel durchgesetzt werden? Wann genau wurde aus den einstigen Rumtreibern und rückhaltlosen Radikalen ein derart konservativer Haufen?  ... weiterlesen

ÜBER DEN BLOG
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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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