Die Messewoche ist gar nicht so schlimm

09.03.2013

Um halb drei mittags stand ich zur Eröffnung der diesjährigen Armory Kunstmesse an den Piers. Um Viertel vor Neun bin ich wieder gegangen. Da ich ja meinen schicken goldenen VIP-Pass auf meinen Namen dabei hatte, war ich davon ausgegangen, erstmal ein paar Stunden in einem überschaubar besuchten Raum zu verbringen. Von wegen! Drinnen war es rammelvoll und am Einlass kamen mir schon erste kleine Rudel von Kunstwelt-Machern auf dem Heimweg entgegen. Pech gehabt. 

Einige Leser wissen ja schon, dass ich mir auf Kunstmessen eigentlich keine Kunst ansehe. Geht nicht. Tut mir leid. Auf Messen steht der Händler immer nahe bei seinem Sortiment – und ich brauche Platz, um mir Kunst anzusehen. Wenn ein Händler an seinem Stand auf mich zukommt und mir immer gleich dieses oder jenes Werk erklären will, werde ich kribbelig und leicht panisch. Ich benehme mich schlecht und verdrücke mich schnell. Die halten mich dann für irre. Und unhöflich. Was ich ja vielleicht bin. (Außerdem vermeide ich Messebesuche nach dem Eröffnungstag. Deshalb hält sich meine Erfahrung auch in Grenzen.)   ... weiterlesen

Warum es so etwas wie "Außenseiter"-Kunst nicht gibt

11.02.2013
Der Stand der Andrew Edlin Gallery auf der Outsider Art Fair
Der Stand der Andrew Edlin Gallery auf der Outsider Art Fair

Die Outsider Art Fair ist erfreulich wiederbelebt worden und war vom 31. Januar bis 3. Februar in den faszinierenden Räumen des früheren Dia Buildings in der 548 West 22nd Street in New York zu sehen. 1993 ins Leben gerufen hatte die Messe viele glückliche Jahre im Puck Building ihr Zuhause. Während dieser Zeit waren brillante Visionäre zum ersten Mal zu sehen: Künstler wie James Castle, Morton Bartlett, George Widener, Melvin Way, Judith Scott und A.G. Rizzoli - alle heute Teil des „Außenseiter“-Kanons. Dann blieb die Messe vor rund acht Jahren auf einem Niveau stehen und war schließlich in einem abgelegenen Büro-Hochhaus nur noch langweilig. Im vergangenen Jahr dachte ich noch, das Ende einer großartigen Sache sei gekommen.

Der Chelsea-Händler Andrew Edlin stellt zeitgenössische Künstler aus und vertritt die Nachlässe der genialen Künstler Henry Darger und Ralph Fasanella. Im vergangenen Jahr kaufte Edlin die Messe, trennte sich von weniger guten Händlern, brachte neue ins Boot und zog die Ausstellung in diese schönen Räume um. Allein für diesen mutigen Schritt verdient er die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Die Ausstellung sieht hier großartig aus. Es gibt mehr Platz, breitere Gänge, besseres Licht, weniger Schrott, mehr Energie. An allen Ständen bestand eine gute Chance, etwas lohnendes Neues zu finden. Und nicht überteuert. Vielleicht werden ein paar dieser Entdeckungen auch ins „Außenseiter“-Pantheon einziehen.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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