Gagosians gigantomanes Genie

24.03.2014
Larry Gagosian auf dem Weg zu einer Auktion (Foto: dpa)
Larry Gagosian auf dem Weg zu einer Auktion (Foto: dpa)

Expansionismus, Übergriffe, die ganze Welt herausfordern, der Drang zur Weltherrschaft: Nein, es geht nicht um Wladimir Putin. Sondern um eine aktuelle Meldung in der "New York Times", wonach Larry Gagosian seine weltweite Besatzung um zwei Galerien erweitert. Eine davon entsteht an der Upper East Side, die andere wird als Pop-Up einen Monat lang in einem ehemaligen Gebäude der Chase Manhattan Bank an der Lower East Side residieren, wo man dann die Werke des gleichermaßen herrschaftsbewussten Kunststars Urs Fischer sehen kann – für kurze Zeit wird der Elefant schwer durch das Einzugsgebiet von zahlreichen kleineren und bescheideneren Galerien trampeln. Ich hoffe nur, dass diese anliegenden Boote auf der Flutwelle schwimmen können und nicht von ihr verschlungen werden.  

Was mir aber an der Meldung eigentlich ins Auge sprang, war gar nicht so sehr die Eröffnung von Gagosians Galerien 14 und 15. Sondern die beiläufige Augenwischerei, mit der er in dem Artikel seine Neueröffnung in der Park Avenue 821 begründete: „Ich habe eigentlich gar nicht nach neuen Räumen gesucht ... Mir fiel nur auf, dass sie zu haben waren. Ihre bescheidene, isolierte Lage an der Park Avenue hat mich sehr gereizt.“ Das also hat ihn besonders gereizt? Na, klar – ach ja, und vielleicht noch die Lage dieses „isolierten“, einsamen Außenpostens auf Höhe der 75. Straße, einen Block vom derzeitigen Sitz des Whitney Museums entfernt, wo ab nächstem Jahr das zeitgenössische Schaufenster des Metropolitan Museum of Art einziehen wird.  ... weiterlesen

Das Problem mit den Mega-Galerien

16.10.2013
Vor einem Jahr eröffnet: die neuen Räume von Gagosian in Le Bourget, Paris. Im Bild: Anselm Kiefer "Morgenthau Plan", 2012 (Foto: dpa)
Vor einem Jahr eröffnet: die neuen Räume von Gagosian in Le Bourget, Paris. Im Bild: Anselm Kiefer "Morgenthau Plan", 2012 (Foto: dpa)

Nichts in der Kunstwelt wird derzeit so häufig diskutiert und sorgt so zuverlässig für Betroffenheit wie die vier Kolosse. Gagosian, Hauser & Wirth, David Zwirner und Pace sind wie Elefantenbullen, Galerien, die überall und ständig herumtrampeln und dabei Künstler, Geld und Aufmerksamkeit abräumen. Dank ihrer enormen räumlichen und finanziellen Ressourcen, den weitverzweigten Filialen, der gut geölten Geschäftsmaschine, den großen Belegschaften und einem gut vernetzten Marketing legt sich ihr Schatten schwer über die gesamte Szene. Sie halten viele tausende Quadratmeter in New York allein und noch viel mehr im Rest der Welt.

Jedes einzelne der Unternehmen hat klein angefangen, getrieben von den jeweils komplexen persönlichen Ideen und Exzentrizitäten ihrer Gründer, und sie alle haben sich von dort aus zu mächtigen Unternehmen entwickelt. Alle vier stehen für Erfolg, Berühmtheit, Spektakel, luxuriöse Budgets, Schamlosigkeit, Kommerz und Monomanie. Man könnte sie Conquista-Galerien nennen. Oder Todessterne.  ... weiterlesen

Tun wir einmal so, als sei Jeff Koons ein Künstler: Über die zwei Riesenshows des Stars in New York

30.05.2013

Tun wir einmal so, als sei Jeff Koons ein Künstler. Kein zufriedener Star im schicken Anzug, den die großen Erstliga-Megasammler und Auktionshäuser als Crystal Meth benutzen. Nehmen wir an, er sei kein selbsternannter, komischer Familienmensch wie Mitt Romney, kein hohler Depp. Stellen wir uns vor, er wäre nicht derart leicht zu erledigen, dass sogar komatösen Kritikern wie John Yau vor seiner Kunst der Gaul durchgeht: Er zerriss Koons’ blumenreiches „Puppy“, um dann zuzugeben, dass er die Skulptur nie gesehen hatte. (Yau hat mich außerdem einmal in einem Text verdroschen, weil ich sie mag.)

Nehmen wir schließlich noch an, dass Koons’ derzeitige beiden Riesenshows – eine auf dem Kampfstern Gagosian auf der 24th Street, die andere in der Filiale von David Zwirners Reich an der West 19th Street – in weniger überfrachteten Zusammenhängen stattfänden und vielleicht sogar die Doppelausstellung von irgendeinem anderen 58-jährigen Künstler anregen könnten. Er wäre dann ein Künstler, der einige der aufs Nervigste paradoxen Skulpturen der letzten 30 Jahre verantwortet, Arbeiten, vor denen man sich peinvoll windet und zugleich ihre Geheimnisse enträtseln will. Dann würde man eine Koons-Ausstellung mit dem Gefühl verlassen, dass tatsächlich noch etwas hinter seiner Kunst steckt. So jedenfalls erging es mir.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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