Jerry Saltz über radikale Verwundbarkeit

01.11.2013

Ich habe schon gelegentlich über etwas geschrieben und gesprochen, das ich „radikale Verwundbarkeit“ nenne. Zum ersten Mal ist mir der Begriff in einem Essay der Theoretikerin Gayatri Spivak begegnet. Nicht dass ich mir wirklich sicher wäre, was sie damit meint, aber für mich bedeutet der Begriff, in meiner Arbeit so verwundbar zu bleiben wie ein Künstler in seiner Arbeit. Das bedeutet, nicht auf wohlfeile Opfer und Schwächere zu schießen; es bedeutet, nicht einfach das Unvermeidbare gut zu finden; es bedeutet, wenn es nur irgendwie möglich ist, die wirkliche, wahre eigene Meinung zu vertreten – auch wenn ich Sachen denke, die ich gar nicht denken will.

Es bedeutet, sich klar zu machen, wie vielfältig und komplex die Erfahrungen und das Wissen der Leute konstruiert sind. Es bedeutet, dass ich mir die Aufmerksamkeit gegenüber den Dingen bewahre, die mir so tief gehen, dass sie meine Wirklichkit verändern. Gerade hat die  Lektüre von Richard Ellmanns außerordentlicher Oscar-Wilde-Biografie meinen inneren Kompass neu geeicht.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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