Fantastisch, fürchterlich: Jeff Koons' Retrospektive in New York

01.07.2014
Jeff Koons bei der Eröffnung seiner Retrospektive im Whitney Museum (Foto: dpa)
Jeff Koons bei der Eröffnung seiner Retrospektive im Whitney Museum (Foto: dpa)

Man hat es hier mit einer Helixstruktur zu tun: Es ist fantastisch, es ist fürchterlich. „Jeff Koons: A Retrospective“ ist über uns gekommen.

Man kann sich mit der Kunst der letzten dreißig Jahre nicht beschäftigen, ohne über Koons nachzudenken. Und zwar heftig. Ich habe seine Karriere aus nächster Nähe erlebt. Ich konnte beobachten, wie er sich in das Koons-Hologramm verwandelt hat, als das wir ihn heute kennen; wie er in den Galerien spätnachts oder auch während der Ausstellungen seine Skulpturen poliert hat; wie er seine Werke nicht verkaufen konnte; wie er fast pleiteging; wie er die Stücke zu Preisen losgeschlagen hat, die unter den Produktionskosten lagen.  ... weiterlesen

Eine coole Ausstellung sucht verzweifelt einen Fluchtweg aus der großen, langweiligen Whitney Biennale

11.03.2014

Wenn Sie die 2014er Biennale im Whitney wirklich ausschöpfen wollen, dann fangen Sie im vierten Stock an – und bleiben auch im wesentlichen dort. Diesen Teil der Ausstellung – es gibt insgesamt drei, mit jeweils einem eigenen Kurator – hat die Chicagoer Künstlerin und Galeristin Michelle Grabner zusammengestellt. Im Zentrum steht als visueller und materieller Höhepunkt der gesamten Biennale eine Galerie voller farbenprächtiger Gemälde, Skulpturen und handgemachter Objekte, dazu noch Keramiken und Textilien. Der Raum ist spektakulär vollgepackt und brummt vor Leben und Energie. Sterling Rubys riesige, pseudo-prähistorisch verschrammten, aschenbecherartigen Keramikobjekte sind dabei wahrscheinlich meine Lieblingsexponate; kaum weniger toll finde ich allerdings die chaotisch bestickten, beidseitig bemalten Bilder von Dona Nelson, Joel Ottersons schimmernde Perlenvorhänge aus metallenen Ketten mit beigefügten antiken Werkzeugen und die Material-Poesie der Gemeinschaftsarbeit von Amy Sillman und Pam Lins.

Man wird auch hier durchaus öfter enttäuscht, und natürlich gibt es die üblichen Seilschaften aus Freunden und ehemaligen Studenten – das geht überall so, nicht nur bei Grabner – aber wenn Sie ein bisschen durch das Stockwerk flanieren, werden Sie etlichen Künstlern begegnen, die einen zweiten Blick lohnen. Das wird dann aber auch schon  abgesehen von ein paar verstreuten Fundstücken – der letzte visuelle und materielle Kick sein, den sie in dieser optisch verhungerten, ästhetisch zugeknöpften und pedantischen Biennale erleben. 
  ... weiterlesen

ÜBER DEN BLOG
RSS Feed
Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
TAGS
ANZEIGE
KALENDER

ANZEIGE