Marina Abramovic bleibt weiter im Dunklen

30.10.2014
 Marina Abramovic (Foto: dpa)
Marina Abramovic (Foto: dpa)

Am Ausgang von Marina Abramovics jüngster Inszenierung in der New Yorker Galerie Sean Kelly (bis 6. Dezember) fragte mich eine Dame neben mir mit einem Leuchten in den Augen und einladendem Ton: „Haben Sie mich gerade befummelt? Es war ausgesprochen angenehm.“ Ich sah sie an und senkte den Blick auf ihre Brust. Unsre Augen trafen sich. Im ersten Moment wollte ich sagen: „Ja, mach’ ich. Ja.“ Dann fiel mir ein, dass derartige Begegnungen eigentlich nicht zu meiner Art passen, und ich antwortete: „Ich wäre es gerne gewesen. Aber ich war es nicht.“ Und damit flutschte ich fort aus dieser verträumten Sphäre, und fand mich mit den Gedanken wieder, die mir kurz davor durch den Kopf gegangen waren. Nämlich, dass Abramovics Werk reiner Unsinn sei und sonst nichts.

Mit Abramovics Kunst geht es mir wie mit der High Line, unserem New Yorker Park auf der stillgelegten Hochbahn West Side Line – sie funktioniert als aufwändige und teure Zerstreuung für Touristen, und sorgt immerhin zugleich dafür, dass diese die ohnehin überfüllte wirkliche Kunstwelt um sie her nicht noch mehr verstopfen.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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