New York schnauzt dich an: Christopher Wool im Guggenheim Museum

16.12.2013

Im Katalog zur eindrucksvollen Retrospektive Christopher Wools im Guggenheim schreibt Richard Prince über die "kreiselnden Lackstrudel, seine Übergänge aus Tropfen, Spritzern, Pfützen und Zufallsmustern", mit denen Wool "einem alten Hund ein paar neue Tricks beigebracht" habe. Sein "alter Hund" ist die Malerei; die neuen Tricks sind die Methoden, mit denen Wool in seinen verschmierten, selbstbewussten Bildern, innerhalb der engen formalen Grenzen, die er sich selbst gesteckt hat und in seinen widersprüchlichen, polyzentrischen Räumen eine Art alchemistischen Teilchenbeschleuniger erfunden hat.

Wool verbindet mit seinen gemalten Blockbuchstaben, die sich zu Wörtern und Sätzen fügen; mit den abstrakten, grafischen Felder voller Verwischungen; mit seinen kastigen, geometrischen Figuren ganz außergewöhnlich den Gestus der Moderne des mittleren 20. Jahrhunderts – der heute altmodisch, ja fast verboten wirkt – mit der cooleren Kunst aus der Ära der mechanischen Reproduktion. In seinen Gemälden treffen sich gleichsam Warhols Desaster, Blumen und Rorschach-Bilder mit Pollock und de Kooning – und zwar in einem schwarzen, schleimigen Glibber. Die Resultate haben den 58-Jährigen zu einem der einflussreichsten amerikanischen Maler der mittleren Generation gemacht.    ... weiterlesen

Ein paar Gedanken zu unseren Museen, was sie tun, wozu sie gut sind

11.10.2013
Blick in den "Rain Room" von Random International, der Teil der Ausstellung "EXPO 1: New York" war (Foto: dpa)
Blick in den "Rain Room" von Random International, der Teil der Ausstellung "EXPO 1: New York" war (Foto: dpa)

Die konkurrenzlos schlechteste New Yorker Museumsausstellung eines ordentlichen Künstlers in diesem Jahr richtete das Guggenheim für James Turrell aus – eine komische Mischung aus Fake-Lightshow, Las Vegas und einem naturwissenschaftlichen Exploratorium als Shopping-Mall. Wie schlecht sie wirklich war, durfte man natürlich nicht sagen, weil Turrell aus der unberührbaren „legendären Generation“ des Postminimalismus der 60er und 70er stammt; außerdem kommt er aus Los Angeles, und immer wenn New Yorker irgendeine große Nummer aus der Kunstszene LAs kritisieren, regen sich die Schreiber dort fürchterlich auf. (Turrell sollte sich auf nicht-elektronische, rein natürliche Effekte konzentrieren. Seine beste Arbeit kann man im MoMA-Ableger PS1 für zeitgenössische Kunst in Long Island sehen.)

Das schlechteste Einzelwerk des Jahres in einem New Yorker Museum wiederum war für mich „The Rain Room“ im MoMA. Ganz im Ernst: Es hat einfach nichts mit Kunst zu tun; man kommt sich vielmehr vor, wie auf einem Bummel über einen High-Tech-Rummel. Andererseits: Cool. Von mir aus. Das Museum muss ja seine Rechnungen bezahlen. Die Leuten standen Schlange wie verrückt. Und so viel schlimmer als Tim Burtons MoMA-Ausstellung vor ein paar Jahren fand ich sie auch wieder nicht.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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