Die Anmut des Langstreckenkünstlers: On Kawara, 1933 – 2014

14.07.2014
Ein Date Painting von On Kawara, Installationview Galerie Rüdiger Schöttle, 1979, Courtesy Rüdiger Schöttle, München
Ein Date Painting von On Kawara, Installationview Galerie Rüdiger Schöttle, 1979, Courtesy Rüdiger Schöttle, München

Im Alter von 81 Jahren ist der große Zen-Proto-Konzeptualist On Kawara gestorben. Im Gegensatz zu unseren aktuellen Kunststars, Blitzstartern und Eintagsfliegen floss Kawaras langer künstlerischer Strom still durch die Kunstwelt. Ab dem 4. Januar 1966 produzierte er Tausende, schlicht alphanumerisch datierte Bilder, die er zerstörte, wenn er sie nicht an einem Tag beenden konnte; 1969 begann er mit einer Performance-Reihe, für die er seine Darsteller eine Million Jahre, Jahr für Jahr, aufzählen ließ und erstellte, als Grabstätte dieser Vorträge, ein vielbändiges, getipptes Dokument. Jetzt ist der rätselhafte Geomantiker der unsichtbaren Unendlichkeiten beim letzten Algorithmus angekommen.

Von seiner Kunst ging – auch wenn sie manchmal trocken und intektuell schien – eine ähnlich heilende und beruhigende Kraft aus, wie man sie aus dem Wissen schöpfen kann, dass es da draußen die Bilder von Vermeer gibt. Kawara hat sein Geburtsdatum nie veröffentlicht, und Interviews lehnte er ebenso ab wie er Fotografen aus dem Weg ging. Seinen Freunden schickte er manchmal über Jahre hinweg nur vorgedruckte Postkarten als Lebenszeichen. Darauf stand schlicht zu lesen: „Ich lebe noch“ oder, mit handschriftlich eingefügter Uhrzeit, „Ich bin um.... Uhr aufgestanden“.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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