Das uneingelöste Versprechen des Malers George Bush

07.04.2014
Blick in die Ausstellung von George W. Bush in Dallas (Foto: dpa)
Blick in die Ausstellung von George W. Bush in Dallas (Foto: dpa)

Wenn ich die Gemälde von George W. Bush betrachte, sehe ich einen amerikanischen Albtraum, so irrsinnig und abstoßend wie Bushs Präsidentschaft. Als Kunstkritiker muss ich allerdings gestehen, dass ich sofort zugreifen würde, wenn ich auf dem Flohmarkt über ein paar seiner Bilder stolpern würde.

2013 gab es einen ersten Schwung seiner Malereien, Landschaftsbilder, Kirchenansichten, Bush selbst in der Badewanne und andere Szenen. Gefallen haben sie mir wegen ihrer reinen, eigenartigen Selbstvergessenheit, wegen der besinnungslosen Ernsthaftigkeit seiner figürlichen Unternehmungen, seinem schrägen Sinn für Form und Raum, wegen Licht, Farbe und den weichen Konturen. Hätte ich den Künstler nicht gekannt, dann hätte ich vermutlich auf einen ehrgeizigen High-School-Schüler im Abschlussjahr getippt, vielleicht eine Schönheitskönigin, die ihr Spektrum erweitern will, oder ein etwas boshafter Verbindungstyp, der seinem Vater, womöglich beim Onanieren, in der Dusche nachspioniert. Ich mochte die amateurhaften Bilder für ihre leicht perversen gestalterischen Ideen und die abwegigen Motive.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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