Jerry Saltz über Philippe Vergne als neuer MoCA-Direktor

21.01.2014

Mit der Ernennung von Philippe Vergne zum neuen Direktor des Los Angeles Museum of Contemporary Art hat die ebenso hoch verehrte wie zuletzt schwer ramponierte Institution einen ersten Schritt unternommen, ihre seit fast sechs Jahren anhaltende Krise zu überwinden. Das Museum verdankt sich dem Engagement der örtlichen Kunstszene und ihrem dringenden Wunsch nach einem großen Museum für zeitgenössische Kunst. Seit der Eröffnung 1983 hat es beeindruckend viele und vorbildliche Gruppen-, Einzel- und retrospektive Austellungen auf die Beine gestellt. Bis in die Nullerjahre wirkte seine Arbeit ziemlich souverän. Doch dann stellte sich heraus, dass man unter der Leitung von Jeremy Strick den Großteil der finanziellen Reserven aufgebraucht hatte und praktisch pleite war. Seither ging es mit dem wunderbaren Museum bergab, wobei man in der engvernetzten Szene L.A.s Jeffrey Deitchs kürzlich abgelaufenes Direktorat weithin für den Tiefpunkt der Talfahrt hielt.

Der 47-jährige Vergne arbeitete in der Vergangenheit als Kurator und stellvertretender Direktor des Walker Art Centers in Minneapolis, kümmerte sich in Paris für den Sammlermilliardär Francois Pinault um dessen Stiftung für zeitgenössische Kunst, wirkte als Co-Kurator für die Whitney Biennale 2006 und leitete ab 2008 die New Yorker DIA Art Foundation. Er könnte sich als Idealbesetzung für den MoCA-Posten erweisen. Er hat ein Faible für intelligente Gruppenaustellungen und verzichtet auf große Spektakel, wie sie sein Vorgänger Deitch gern veranstaltet hat.  ... weiterlesen

Jeffrey Deitchs zum Scheitern verurteilte Amtszeit im MoCA

26.07.2013
Jeffrey Deitch, Foto: © Stefanie Keenan/WireImage
Jeffrey Deitch, Foto: © Stefanie Keenan/WireImage

Die Frage war immer nur „wann“, niemals „ob“. Jetzt also ist „wann“ gekommen. In der Kunstszene von Los Angeles hatte man die Verpflichtung des unorthodoxen Kunsthändlers Jeffrey Deitch als Direktor des riesigen, aber dysfunktionalen Museum of Contemporary Art schon im Voraus abgelehnt. Und auch nachdem er sein Amt angetreten hatte, blieb er stets umstritten. Jetzt hat er es nach gerade mal 48 Monaten niedergelegt. 

Die Verbindung war ohnehin im Fegefeuer geboren – vor allem, weil das MoCA derart darnieder lag, dass der Job völlig aussichtslos schien. 2008 hatte das MoCA durch ständiges Versagen des Ausschusses nahezu seine gesamte Ausstattung von 50 Millionen verschleudert. Zum Ende des Jahres nahm das Museum einen 30-Millionen-Kredit von Eli Broad, seines Zeichens Milliardär und Museums-Darth-Vader, auf. Danach ging alles richtig den Bach runter. Als Deitch 2010 den Posten antrat, hatte das Museum keinen Direktor mehr, es wurde von einem Interimsvertreter geführt und war vollkommen demoralisiert – der Kollaps schien absehbar. Niemand wollte den Job haben, schon gar nicht mit Broad im Ausschuss. Auftritt Deitch.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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