Knechte des Digitalen: New Museum Triennale in New York

12.03.2015
DIS "The Island (KEN)" (Installation und Live-Performance in New York im Rahmen der Triennale des New Museum "Surround Audience", Foto: Heji Shin, © Dornbracht)
DIS "The Island (KEN)" (Installation und Live-Performance in New York im Rahmen der Triennale des New Museum "Surround Audience", Foto: Heji Shin, © Dornbracht)

Es gibt Innovationen, die sofort verstanden und beherrscht werden. Die ersten Maler, die sich der Ölfarbe zuwandten – Jan van Eyck und Rogier van der Weyden zum Beispiel – gehören noch immer zu den besten ihrer Zunft. Schon auf den frühen Aufnahmen mit elektrischen Gitarren erkennt man Les Paul, T-Bone Walker und Sister Rosetta Tharpe (und bald auch Jimi Hendrix) als Meister des Instruments, und viele Leute halten "Don Quichote" noch immer für einen Höhepunkt der Romankunst.

Beim Internet liegt der Fall anders. Auch nach 25 Jahren gibt es noch keinen van Eyck, van der Weyden, Hendrix oder Cervantes. Das liegt auch an der Flüchtigkeit des Netzes; Kommerz und Novelty bringen jedes Idol ins Wanken (auch die neuen); und jeder Link ist stets schon vom Verfall gezeichnet und wahrscheinlich bald unbrauchbar.  ... weiterlesen

Holy Shit, so lebendig kann Malerei sein: Chris Ofili setzt New York unter Starkstrom

29.12.2014
Chris Ofili "Night and Day" (Installationsansicht, Courtesy New Museum, New York, Foto: Benoit Pailley)
Chris Ofili "Night and Day" (Installationsansicht, Courtesy New Museum, New York, Foto: Benoit Pailley)

"Wenn dieses Bild zensiert wird, sage ich die Ausstellung ab", zürnte Charles Saatchi am Morgen des 18. September 1999. Wir unterhielten uns gerade während des Aufbaus der "Sensation"-Schau im Brooklyn Museum, wo der englische Megasammler rund 40 junge britische Künstler aus seiner Kollektion präsentieren wollte. Ein paar Tage zuvor hatten die New Yorker "Daily News" mit der Schlagzeile "Brooklyn-Galerie des Schreckens. Eine schauderhafte Ausstellung sorgt für Streit" aufgemacht.

Der "Streit" drehte sich um ein einziges Werk: Chris Ofilis Darstellung einer schwarzen, in Himmelblau gehüllten Frau von 1996. Ihr wellig umrissenes Gesicht scheint aus Licht produzierenden Mikroorganismen zu bestehen, und um sie herum sieht man leuchtende Punkte aus Lackfarbe sowie aus Fotos ausgeschnittene Körperteile. Die rechte Brust ist aus Elefantenkot geformt und mit schwarzen Pins verziert. Das Gemälde steht auf zwei Kugeln aus Dung, auf denen man die mit Nadeln gesteckten Wörter "Virgin" und "Mary" liest. Ohne das Bild gesehen zu haben, befand es der damalige Bürgermeister Rudolph Giuliani für "krank" und schwor, dem Museum Millionen Dollar zu streichen.

Doch jetzt wird der Fluch endlich gebrochen: mit einer atemberaubenden Ofili-Werkschau, die das ganze New Museum in New York füllt. "Night and Day", so ihr Titel, stellt für mich einiges klar: zuallererst, dass Ofili einer der besten englischen Maler der vergangenen 60 Jahre ist. Seine Ideen sind denen von Lucian Freud oder Francis Bacon weit voraus. Bei ihm zeigt sich, wie unerschöpflich die Malerei ist.  ... weiterlesen

Chris Burdens mächtige Kunst der großen Ideen darf sich im New Museum breitmachen

05.11.2013

Der Künstler Lawrence Weiner hat einmal gesagt, Kunst solle den Betrachter nicht nur für einen Tag verwirren, sondern „sein Leben komplett über den Haufen werfen“. Das hat Chris Burden bei mir geschafft. Sogar zweimal.

Das erste Mal geschah es am 7. Mai 1974 mit seiner Performance „Velvet Water“. Ich saß fünf Minuten lang mit einer kleinen Schar Leuten vor einem Videomonitor, während Burden in einem Nebenraum immer wieder den Kopf in ein volles Waschbecken tauchte und offenbar versuchte, den Sauerstoff aus dem Wasser zu atmen. Wir sahen verblüfft, nein: wie erstarrt zu, bis er scheinbar in Ohnmacht fiel. Der Monitor wurde schwarz - Vorstellung vorbei.  ... weiterlesen

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Unser Mann in New York: Jerry Saltz ist Chefkritiker des renommierten "New York Magazine" und wurde bislang dreimal für den Pulitzerpreis nominiert. Der "Observer" wählte ihn zu den 100 einflussreichsten New Yorkern. Monopol veröffentlicht seine Texte exklusiv in deutscher Sprache
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