Kunst und Leben
Die Monopol-Redaktion über den ästhetischen Alltag

Gegen die Wand: Steve McQueen bei xavierlaboulbenne

von Silke Hohmann
11.02.2013

Mauer. Man kann ja noch nicht mal „die Mauer“ sagen, ohne dass gleich etwas damit gemeint ist. Anscheinend kann man höchstens im Baugewerbe über Mauern sprechen, ohne dass sogleich irgend ein zwischenmenschliches oder politisches Symbol daraus wird.

2008 hat ausgerechnet der denkbar unsymbolischste aller Filmemacher sich das Motiv „Mauer“ vorgenommen. Steve McQueen, als bildender Künstler Turner-Prize-Träger und Aufsehen erregend als Kinoregisseur („Hunger“, „Shame“), ist Hyperrealist. Das heißt, wenn er mit seiner Kunst „Mauer“ sagt, meint er nichts anderes als Mauer, nur dass sie bei ihm so extrem mauerig aussieht, wie es nur geht.

Die großzügigen Räume der Berliner Galerie xavierlaboulbenne sind völlig dunkel, schemenhaft sieht man einige Gestalten am Rand, die sich gedämpft unterhalten. Das zentrale Kunstwerk, wie ein Altarbild, wird von einem leise ratternden Filmprojektor an die Wand geworfen: Mauer.

Der Film „Rayners Lane“ zeigt statisch die Frontalansicht einer Backsteinmauer, aus wenigen Schritten Entfernung gefilmt. Projiziert wird er in extremem Querformat als 10minütiger Loop. Steve McQueen hat sie in der Londoner U-Bahn-Station Rayners Lane gefilmt, doch so oder so ähnlich kommt sie auch in der Galerie selbst vor, die im 19. Jahrhundert einmal ein Metallbetrieb war. Die Mauer auf der Mauer, ein Bild, das sich selbst enthält. Mise-en-abyme, die maximale Selbstreflektion. Fast schon ein Symbol.

Bis 23. März, Mi-So, 14-18 Uhr geöffnet

Tags: Ausstellung

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