20.01.2012 - 02.03.2012

Halina Kliem - *Flucht um Mitternacht*

"DUVE Berlin freut sich, die dritte Einzelausstellung der Künstlerin Halina Kliem mit dem Titel *Flucht um Mitternacht* zu präsentieren. Die Ausstellung zeigt neue Neonlicht-Skulpturen und Arbeiten auf Papier.

"I want to burn with the spirit of the times. I want all servants ...of the stage to recognize their lofty destiny." Vsevolod Meyerhold

"Zorn unterscheidet sich natürlich von Unmut, Hass von Abneigung, Liebe von Sympathie, aber die unterschiedlichen Bewegungen des Gefühls werden sparsam dargerstellt." Bertolt Brecht

Im Jahr 1935 erlebte Bertolt Brecht Mei Lan Fangs unvergleichlichen Auftritt als Damenimitator (in der Dàn Rolle) in der Aufführung einer Peking-Oper am Bolschoi-Theater in Moskau. Es war der Beginn für Brechts Interesse an der chinesischen Kultur.

Der Titel der Ausstellung Flucht um Mitternacht bezieht sich auf eine dieser Opernszenen, die verschiedene Aspekte von Tanz, Akrobatik, Körperhaltung und Gestik beinhaltete und eine theatralische Technik namens zitai ju, (besondere Posen), hervorhob. Kliem untersucht Zusammenhänge zwischen Brecht, chinesischer Oper, Meyerhold und dem Sowjet-Theater und wirft dabei insbesondere Fragen zur Beziehung zwischen impulsivem Ausdruck und abstrakter Form im revolutionären Avantgardetheater auf.

Zu dieser Zeit entwickelte Meyerhold seine Theaterforschung zur Biomechanik mit provozierenden Experimenten, die sich vor allem auf die körperliche Ausbildung des Schauspielers bezogen und deren Ziel es war, psychologische und physische Prozesse zu verbinden. Für Meyerhold war der emotionale Zustand eines Schauspielers untrennbar mit seinem körperlichen Zustand verbunden. Emotionen auf der Bühne sollten durch einstudierte Posen, Gesten und Bewegungen herstellbar sein. Aus diesem starken Bezug auf den Körper und den dramatischen Konzepten der chinesischen Oper, übernahm Brecht auch Impulse für die eigene Arbeit. Brecht stellte schließlich diese Theaterprinzipien der Peking-Oper aus dem Jahr 1935 den frühen Experimenten des deutschen epischen Theaters der Zwanziger Jahre gegenüber.

In der Ausstellung *Flucht um Mitternacht* präsentiert Kliem zum ersten Mal mehrere "Körper geschriebene" Neonlichtskulpturen. Hier wird Bewegung zur Form und es ist kommunikative Bewegung im Raum, die die Galerieräume zur Kulisse werden lässt. Die Werke setzen den Verfremdungseffekt und den "White Cube" des Galerieraums in Verbindung. Die Neon-Arbeiten der Künstlerin sind eine Fortsetzung ihrer Auseinandersetzung mit dem Objekt als fixe Idee, mit dem (Identifikations-) Wunsch, das Objekt selbst zu werden. Dabei greift sie den Kanon der Tanzgeschichte, des Theaters und des gestischen Prinzips auf.

Die Neonarbeiten zeigen Wort-Abstraktionen, die in ihrer spielerischen Gestik und expressiven Bewegung an eine Methodik des Schreibens denken lassen, die Ähnlichkeiten mit traditioneller chinesischer Kalligraphie aufweist. Der Herstellungsprozess an sich wird auch hier zur Darbietung.)

Kliem hat diese neuen Arbeiten im Rahmen eines Künstlerstipendiums in Xiamen (Südchina) entwickelt und ließ sich dabei von ihren Recherchen zur chinesischen Kulturgeschichte inspirieren. Sie zielt darauf ab, westliche Körper-Konzepte mit chinesischen Vorstellungen vom Qi zu kombinieren, minimale Gesten und deren Bedeutung zu testen.

Halina Kliem lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte bei Prof. Katharina Sieverding an der Universität der Künste in Berlin, an der Carnegie Mellon University of Art in Pittsburgh sowie an der Akademie der Bildenden Künste in Hamburg. Ihre Arbeiten wurden vielfach in Gruppenausstellungen, u.a. Berlin 2000bei PaceWildenstein, New York und to: Night bei Bertha und Karl Leubsdorf Gallery (in Zusammenarbeit mit Hunter College NYC und kuratiert von Joachim Pissarro,) ausgestellt.
Halina Kliem wurde unter anderem ausgezeichnet mit dem Arbeitsstipendium Bildende Kunst des Berliner Senats (2008), der Point B Residency in New York (2009), dem URRA Artist Program in Buenos Aires (2011) sowie dem Stipendium des Chinese Center For European Art, Xiamen. Kliems Arbeit ist in den öffentlichen Sammlungen des Neuen Berliner Kunstvereins in Berlin, dem Videonale Archiv des Kunstmuseum in Bonn, dem Video as Urban Condition Videopool, London, sowie im Archivo Escoria Nuevos Medios in Ecuador vertreten."

(Quelle: Pressetext Duve Berlin)

 
Vernissage am 20.01.2012 ab 19:00 Uhr
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