05.04.2012 - 27.04.2012

David Koenig - "Fotografie"

"Kaum eine andere Gattung der Bildenden Kunst ist so abhängig von technischen Errungenschaften wie die Fotografie. Während sich die Entwicklung von Malerei, Bildhauerei etc. wohl vor allem auf die Entfaltung eines gesellschaftlichen Kontextes stützt, was naturgemäß vor allem eines in Anspruch nimmt – Zeit, wird die Fotografie seit ihrer Erfindung beinahe stündlich verändert – reicher, mobiler, größer, schneller. Anfangs als Stiefkind der Malerei angesehen, weil in denselben Motivwelten wildernd und fast genauso lange für ein fertiges Bild brauchend, hat sich die Fotografie längst aus solcher Bastardisierung emanzipiert. Schließlich machten das Polaroid, nicht zuletzt aber die Erfindung der digitalen Fotografie aus ihr eine wenn nicht die demokratische Kunstgattung überhaupt. Der vermaledeite Satz: Das kann ich auch!, besaß nie mehr Wahrheit. Die technischen Errungenschaften sind daher sowohl Segen als auch Fluch.
Fotokünstler stehen folglich vor einem weit größeren Problem als Maler, Bilderhauer etc., sie müssen sich gegenüber einer Werkflut behaupten, bei der die Meisterschaft, der Moment wo aus dem Dilettieren Künstlerschaft wird, nur mehr schwer zu erkennen ist. Im Falle des gebürtigen Aacheners David Koenig (*1974) gelangt der Betrachter indes recht schnell zu diesem Moment. Sein Umgang mit Fotografie und ihren technischen Möglichkeiten ist eigenständig, dabei souverän, man könnte auch gezielt sagen. Die Bilder seiner Serie „Dissolved – Aufgelöst“ etwa wirken mitnichten zufällig; originale Fotografien von Orten und Landschaften bearbeitet Koenig soweit, dass sie von Nahem betrachtet wie (aus Legosteinen) „gebaut“ wirken, abstrakte, statische Konstruktionen aus kleinen, bunten, quadratischen Feldern, die die Architektur des (einstigen) Motivs und seine Stimmung wie geschmolzen zeigen. Verlässt der Betrachter die Punching Zone und tritt auch nur ein paar Schritte zurück, gewinnen diese Arbeiten übrigens einen Teil ihres Realismus’ zurück. Ein Eindruck, den man angesichts der Arbeiten der zweiten Serie von David Koenig übrigens zu keiner Zeit bekommt. In „Public Privacy“ verarbeitet der Absolvent der renommierten New Yorker Fotoakademie International Center of  Photography (ICP) Fotos fremder Personen, die diese auf den Seiten so genannter sozialer Netzwerke veröffentlicht haben. Auch diese Bilder bearbeitet Koenig, er nimmt ihnen Schärfe, Kontrast, Ebenen und damit die Identität. Paradoxerweise erreicht er dadurch, dass die ursprünglich abgebildeten Personen etwas von ihrer Privatsphäre zurückerhalten. Der Betrachter ahnt lediglich Orte, Lebenssituationen, Geschlecht oder auch den Grad der Bekleidung. Das Betrachten dieser (neuen) Bilder behält etwas von dem Voyeurhaften, doch scheint es mir viel weniger gierig, lästernd, diffamierend. Bei aller konzeptuellen Formalie – Kritik am öffentlichen Leben durch/in/mit Social Media usw. – geht es David Koenig fortan auch (wieder) um das Bild als emotionales Ereignis, voller Erotik, Geschichten, Fantasie. Ihm gelingt, was viele freizeitfreiwillige Fotografen nicht wenn nicht niemals erreichen: Er vereint (s)eine Idee vom Bild mit den technischen Möglichkeiten, die ihm die Kunstgattung Fotografie anheim stellt und schafft neue souveräne Bilder, als eigenständige Kunstwerke."
(Quelle: Pressetext, Text: Stefan Skowron)

 
Vernissage am 05.04.2012 ab 18:30 Uhr
Galerie Freitag 18.30
Galerie Freitag 18.30

Galerie Freitag 18.30

Steinkaulstraße 11

52070 Aachen

Tel: +49 (0) 241 / 435 910 40

Web: http://www.freitag1830.de

Öffnungszeiten

Mo-Mi 11-20 Uhr
Do 14-21 Uhr
Fr 18.30-21 Uhr
Sa 14-18.30 Uhr
und nach Vereinbarung

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