30.03.2012 - 08.05.2012

Heinz-Hermann Jurczek - "Remix-Paintings"

"Heinz-Hermann Jurczek, geboren 1954 in Bochum, zeigt sich in seinem reich facettierten, selbst für Spezialisten seines Werkes kaum noch überschaubaren Bilderkosmos als souveräner Erbe aller Strömungen der Abstraktion im 20. Jahrhundert: Suprematismus, Konstruktivismus, Neoplastizismus, Konkrete Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie Tachismus/Informell, Colourfield Painting in den 50er, Hard Edge und Op Art in den 60er und NeoGeo in den 80er Jahren.

Anregend für die Entwicklung von Jurczeks späteren künstlerischen Verfahren erwiesen sich vor allem die geometrisch stilisierten Landschaften Peter Brünings aus der Vogelperspektive, über die sich elegant geschwungene Straßenbänder mit Kreuzungspunkten wie bunte Schleifen winden. Brüning, Jahrgang 1929, der 1970 in Düsseldorf früh verstorben ist, entwickelte seit 1964 aus der informellen Malerei diese an stilisierte Straßenkarten in Signalfarben erinnernden Bilder. Bemerkenswert ist die Polarität zwischen organischen und konstruktiv-technischen Formen. Noch vor seinem Studium kam Jurczek mit dieser Malerei in Berührung, die das Organische und Spontane der informellen Kunst aus den 50er Jahren mit den harten Kanten und geometrischen Feldern der Hard Edge Malerei und der Op Art der 60er Jahre verbunden hat. Ausgangspunkt von Jurczeks künstlerischer Methode war das Collagieren mit präparierten Seidenpapieren, Aquarell und Bleistift auf Nessel, das einen eigenen, umfangreichen Werkkomplex bildet. Später übertrug er dieses Collageprinzip auf die Arbeit an der Leinwand mit Acryl. Wie auf einer imaginären Bühne führt er unbeirrt immer neue Szenen seiner visuellen Dramolette auf. Massive geometrische Körper, feinste Liniengeflechte, spitzwinklige und stumpfe Formen, Hohlformen und metallisch glänzende Flächen, warme und kalte Farben stehen in ständiger Spannung zueinander, lassen das Auge nicht zur Ruhe kommen.

Diese Bilder sind mit dem Rücken zur Natur, zur Landschaft, zur gebauten Stadt entstanden. Kein Naturstudium trübt ihre Künstlichkeit. Die Bildfläche ist kein Fenster zur Außenwelt mehr. Heinz-Hermann Jurczeks Malerei ist im besten Sinne eine vom Gegenstand, von der Umwelt abstrahierende, konstruierte und zugleich vor seinem schöpferischen Auge imaginierte Kunst. Seine non-figurativen Werke sind keine abstrakt-konkreten, geometrischen, in sich ruhenden, auf das Absolute zielenden Kompositionen im Sinne von Malewitschs Bildkonzept der Ikone als Andachtsbild der reinen Form. Eher folgt er mit seinen messerscharfen entlang der Reißschiene des Ingenieurs oder Entwerfers gezogenen Linien dem Konzept von Rodschenko, der als Künstler-Ingenieur das Technische, mathematisch Berechenbare betonte.

Seine Re-Interpretationen schaffen eine eigenwillige Synthese aus organischen Natur- und Landschaftsformen und technisch geometrischen Gestellen und ornamentalen Flächenmustern. Aus diesem bipolaren Spannungsverhältnis entwickelt jedes Bild eine innere Dynamik, die bis an die Schmerzgrenze der Wahrnehmung reicht."


(Quelle: Pressetext)

 
Vernissage am 30.03.2012 ab 19:00 Uhr
immaginaria arti visive gallery / Walter Bischoff Galerie
Bernd Mattiebe "ohne Titel", Acryl auf Baumwolle, 140cm x 180cm, 2008

immaginaria arti visive gallery / Walter Bischoff Galerie

Linienstraße 121

10115 Berlin

Tel: +49 (0)30 60924258

Web: http://www.galleriaimmaginaria.com

Öffnungszeiten

Di - Sa 13 - 18 Uhr
und nach Vereinbarung

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