18.01.2013 - 23.02.2013

Valérie Favre - "Paintings"

"Die Galerie Peter Kilchmann freut sich, neue Malereien der Künstlerin Valérie Favre zu präsentieren. Valérie Favre wurde 1959 in Evilard bei Biel geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin. “Paintings” ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in der Galerie Peter Kilchmann nach ihrer Beteiligung an der Eröffnungsausstellung in den neuen Räumen im Frühjahr 2011.


Wie kann man sterben? Valérie Favre fängt an Todesarten aufzuzählen. Die Künstlerin hat sich über zehn Jahre hinweg mit dem Motiv Suizid beschäftigt und über hundert kleinformatige Malereien zum Thema geschaffen (Selbstmord, 2003–2013, Öl auf Leinwand, je 24 x 18 cm, in Blöcken von drei bis fünf Arbeiten). Während Teile des Selbstmord-Zyklus bereits verschiedentlich ausgestellt waren, ist es das erste Mal, dass Valérie Favre das Projekt in seiner Gesamtheit präsentiert. Die Ausstellung markiert zugleich das Ende der malerischen Auseinandersetzung mit dem Thema. Von Anfang an war für die Malerin klar: “Die Farbe Rot hat in diesen Bildern nichts zu suchen.” Plakativ sollte die Serie auf keinen Fall sein, diese Attitüde interessiert Valérie Favre nicht. Das Bildformat entlehnte die Künstlerin der analogen Fotografie. Die Konstanz in Grösse und Farbpalette tragen dazu bei, dass man sich in der Ausstellung mit einer visuellen Enzyklopädie konfrontiert sieht. Von historisch überlieferten, fiktiven und berühmten Todesfällen – Favre buchstabiert sie alle durch. Doch was heisst das schon? Der Suizid als gesellschaftliches Tabu hat bis anhin gar keine Historie in der bildlichen Darstellung. Gerade deshalb interessiert sich Valérie Favre für das Thema. Die Namen auf der Einladungskarte deuten die Breite an, in der sich die Malerin mit dem Thema beschäftigt hat: Von Mohamed Bouazizi, einem tunesischen Strassenverkäufer, der sich 2011 aus Protest gegen seine Misshandlung durch die Behörden in Brand steckte, bis hin zu Kleopatra, die sich laut Überlieferung 30 v. Chr. durch den Biss einer Kobra das Leben nahm. Die Herausforderung, das “Unsagbare” zu malen, zielt ins Herz von Favres Selbstverständnis als Künstlerin. Sie sei eben dazu da, die Dinge zu malen, die sich nicht einfach abbilden lassen. Figuren zieht sie aus der Leinwand und aus den Farbschichten, Vorzeichnungen gibt es bei ihr nicht. Auf wundervolle Weise strapaziert die Malerin dabei ihre Fantasie und die der Betrachtenden. “Darstellung verlangt Radikalisierung und kommt aus Nötigung.” Die Worte der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann könnten auch von der Malerin Favre stammen. Denn es ist durchaus als radikale Entscheidung der Künstlerin zu werten, sich derart intensiv mit dem Suizid-Motiv zu beschäftigen. Der Aufwand hat sich gelohnt. Die kleinformatigen Malereien laden ein zu einer visuellen Auseinandersetzung mit einem delikaten Thema und eröffnen grosse Gedankenräume.

Im zweiten Raum der Galerie betritt man eine andere Welt. Collage, Holzdruck und Zeichnung kommen zur Malerei hinzu. Die Bilder variieren stärker im Format (von 21 x 30 bis 220 x 150 cm). “Rotkäppchen oder La fragilité des fleurs” heisst die Serie, aus der die hier gezeigten Arbeiten entnommen sind. Neben der Märchen- und Opferfigur Rotkäppchen taucht der Wolf auf und das Bett der Grossmutter. Valérie Favre bedient sich dem Fundus des Märchens, um ihre eigene Erzählung in den Bildern zu spinnen und erweitert das Zeichenrepertoire um die Ikone der Jungfrau Maria und eine Reihe von Stillleben. Auch Echsen kommen vor. In der Hängung nehmen die Werke auch räumlich Bezug zueinander, so dass Querverweise sichtbar werden und zu einer dynamischen Lesart animieren. Dem Fabelthema zum Trotz steht auch hier wieder die Malerei als solche im Zentrum. “Eigentlich”, so Valérie Favre, “handeln meine Bilder immer von denselben Ideen. Ich arbeite mich immer an denselben Fragen ab.” Es ist ein Interesse daran, die Malerei als eigene Sprache zu verstehen und den Bruch zu fokussieren, der in der Übersetzung von Idee zu Form geschieht, welche das künstlerische Schaffen von Valérie Favre vorantreibt.

2012 wurde Valérie Favre für den renommierten Prix Marcel Duchamp in Frankreich nominiert. Unter anderem war sie an folgenden Ausstellungen beteiligt: “Beyond Memory” im Museum of the Seam, Jerusalem, 2012, “I am a Berliner”, Tel Aviv Museum of Art, Tel Aviv, 2012; “Berlin Klondyke” Odd Gallery, Dawson, CA, 2011; “Intensif Station”, K21, Düsseldorf, 2010. Zu ihrer Einzelausstellung im Kunstmuseum Luzern und im Carré d’art de Nîmes erschien 2009 der Katalog “Valérie Favre: Visions”; zur Ausstellung im Kunstmuseum Ulm 2008 erschien der Katalog “Valérie Favre”. Beide sind über die Galerie erhältlich. Im Frühjahr 2013 wird Valérie Favre mit einer Einzelausstellung im Neuen Berliner Kunstverein vertreten sein."

(Quelle: Pressetext)

 
Vernissage am 17.01.2013 ab 18:00 Uhr
Galerie Peter Kilchmann
Willie Doherty "Grey Day IX", 2007, Framed silver gelatin print mounted on aluminum, 102.5 x 87.5 cm, courtesy Galerie Peter Kilchmann, Zürich

Galerie Peter Kilchmann

Zahnradstraße 21

8005 Zürich

Tel: +41 (0) 44 / 278 1010

Fax: +41 (0) 44 / 278 1011

Web: http://www.peterkilchmann.com

Öffnungszeiten

Mo - Fr 10 - 18 Uhr

Sa 11 - 17 Uhr

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