30.08.2013 - 19.10.2013

Lina Scheynius

"Die Christophe Guye Galerie freut sich, Ihnen die nächste Ausstellung präsentieren zu dürfen, die erste europäische Soloausstellung der schwedischen Künstlerin Lina Scheynius, eines der meist gefragten Talente der jungen Fotokunstszene. Mit einer aufrichtigen Ehrlichkeit und Natürlichkeit fängt Scheynius Szenen aus ihrem täglichen Leben ein. Offenherzig voyeuristisch dokumentiert sie vertraute Momente, private Beziehungen oder sich selbst. Das Ergebnis: ein einzigartiges, zutiefst persönliches visuelles Tagebuch, sinnbildlich für den gegenwärtigen Zeitgeist, deren erzählerische Besonderheit den Betrachter in die intime Welt der Künstlerin transportiert. Mit einem erfrischend hemmungslose sexuellen Subtext und die explizite aber anmutige Nacktheit fordert Scheynius’ Bilderwelt traditionelle Theorien der weiblichen inaktiven und objektivierten Rolle heraus. Ihren Durchbruch hatte Scheynius als sie in die Fussstapfen von Jürgen Teller trat und nach ihm ein Jahr lang eine wöchentliche Bildkolumne in der renommierten Zeitung Die Zeit veröffentlichte.

Lina Scheynius hatte schon immer eine sehr offenherzige Einstellung zum Leben – von intimen Selbstporträts über vertraute Betrachtungen von Freunden und Liebhabern bis hin zu einfachen Blumen auf dem Nachttisch: Sie findet Schönheit in den einfachsten und unvorhergesehensten Momenten. Mit insgesamt über dreissig Farb- und Schwarz/Weiß-Aufnahmen gewährt diese Soloausstellung einen einmaligen Einblick in die private Welt der Künstlerin. Mit einer für die Ausstellung eigens kreierten Auswahl, werden zum ersten Mal Scheynius’ analog entstandene Bilder im Grossformat und mit von Hand gefertigten Silbergelatineabzügen gezeigt. Kombiniert mit einer für die Künstlerin typische Wandcollage unterstreicht die Ausstellung zugleich die Natürlichkeit und Raffinesse ihrer Arbeit.

Persönliche Studien die ihrem Leben entspringen, dieses dokumentieren und porträtieren, macht Scheynius in vier Serien pro Jahr (Frühjahr/Sommer/Herbst/Winter), welche ihr Leben zu dieser Zeit festhalten. Sinnlich, zart und augenblicklich ist ihre Bildsprache eine Kombination aus freimütiger Sexualität und fragiler Intimität. Mit einer einzigartigen Liebe zum Detail und einem Feingefühl für die Schönheit alltäglicher Momente, sind Scheynius’ poetische Fotografien dennoch häufig roh und direkt. Szenen vergangener Liebschaften werden mit viel Zärtlichkeit bebildertet, die dazugehörenden sexuellen Fantasien unverblümt und lebensnah, mit viel nackter Haut, erigierten Penissen und Spermaflecken. Konzeptionell und gleichwohl von Spontaneität geprägt geht Scheynius’ Ausdrucksweise über eine herkömmliche Momentaufnahme hinaus: Ob persönliche Studien oder Auftragsarbeiten, teils mit autobiographischen Ansätzen, teils Stillleben, ist ihre Arbeit voller emotionaler Anmerkungen, moderner Weiblichkeit und einer bittersüssen Zerbrechlichkeit.

Inspiriert vom Licht, wie es einen Ort, eine Situation, eine Stimmung oder auch ein Objekt selbst formen und verändern kann, arbeitet Scheynius ausschliesslich mit natürlichen Lichtquellen. Und obwohl sie sich dem Gewöhnlichen widmet, ist die Stimmung ihrer Bildsprache infolgedessen unverkennbar. Leise aber kühn wird der Betrachter konfrontiert, indem Scheynius’ Kamera oftmals in ungewohnten Situationen zum Einsatz kommt. In Kontrolle und gleichzeitig Protagonistin ihrer Handlungen, ficht sie die traditionelle These vom Mann als Betrachter und die Frau als Betrachtete an. Mit einem Hauch von Unschuld verwischt sie zudem die Grenze zwischen privat und öffentlich und wirft somit Fragen auf wie: wo ziehen wir die Grenze zwischen Leben und dessen Darstellung?

Vorangetrieben von der Digitalisierung der Fotografie sowie das Aufkommen von Websites wie Flickr und Facebook werden unsere Selbstdarstellung und die Beschäftigung mit dem Ich fortwährend intensiviert; jeder kann nun Bilder machen, sie verbreiten und mit der ganzen Welt teilen. Täglich werden wir mit einer Bilderflut überhäuft, was einerseits das Augenfällige nach und nach erschwert, das Auffallen eines Ausnahmetalents allerdings umso verdeutlicht. Vom Geist und in der Handhabung Stellvertretend für die Instagram-Generation, wenn auch ihre Arbeitweise klassisch ist, d.h. sie arbeitet ausschliesslich mit analoger Fotografie. Scheynius’ Karriere begann als sie vor einigen Jahren anfing persönliche Bilder auf Flickr zu posten. Das Leben als Model kam ihr irgendwann zu inhaltslos, zu gekünstelt vor, und so begann sie damit, Dinge und sich selbst so zu fotografieren wie sie tatsächlich sind: selten perfekt, aber deswegen nicht weniger ansehnlich und interessant. Ihre Bilder fanden schnell Anklang, und verbreiteten sich im Netz wie ein Lauffeuer. Infolgedessen kam auch schon bald der erste Job – die Schauspielerin Charlotte Rampling für die Englische Zeitschrift Dazed & Confused zu fotografieren. Seitdem arbeitet Scheynius regelmässig für die weltweit einflussreichsten Modezeitschriften, wurde 2012 von Die Zeit auserwählt eine wöchentliche Bildkolumne zu präsentieren, und hat erst kürzlich ihr viertes Buch, in limitierter Auflage, veröffentlicht, welches in der Galerie erhältlich sein wird.

Die in London lebende und arbeitende Künstlerin Lina Scheynius (*1981) wuchs in Trollhättan, Schweden, auf. Sie näherte sich autodidaktisch der Fotografie, als sie im zarten Alter von zehn ihre erste Kamera geschenkt bekam. Bis heute war Scheynius sehr selektiv bezüglich dem Ausstellen ihrer Arbeit, und nahm nur gelegentlich an Gruppenausstellungen teil, wie z.B. „What’s Next? The Future of the Photography“ im renommierten FOAM Museum in Amsterdam, „Looking for Love“ im Vidvinkel at Centrum för Fotografi in Stockholm, oder „Various Photographs“ am New York Photo Festival, kuratiert von Tim Barber. Ihre Arbeiten werden regelmässig in wegweisenden Magazinen wie u.a. im AnOther, Dazed & Confused, Vogue, Numero, Double, Exit oder Elle publiziert."

(Quelle: Pressetext)

 
Vernissage am 29.08.2013 ab 18:00 Uhr
Christophe Guye Galerie
Innenansicht, Christophe Guye Galerie, Zürich

Christophe Guye Galerie

Dufourstrassse 31

8008 Zürich

Tel: +41 (0) 44 / 252 01 11

Fax: +41 (0) 44 / 252 01 09

Web: http://www.christopheguye.com

Öffnungszeiten

Mo - Fr 11 - 19 Uhr
Sa 12 - 18 Uhr

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