06.07.2013 - 11.10.2013

Ruth Baumgarte - "Hommage zum 90.Geburtstag"

"Am 27.06.2013 wäre die Malerin und Mäzenin Ruth Baumgarte 90 Jahre alt geworden. Die aus diesem Anlass geplante Retrospektive ist nun zu einer posthumen Ehrung geworden, da Ruth Baumgarte am 07. Februar 2013 verstorben ist. Die Samuelis Baumgarte Galerie zeigt die Werkschau Ruth Baumgarte wie geplant als nicht-kommerzielles Kulturereignis in Zusammenarbeit mit der 2012 gegründeten Ruth Baumgarte Kunststiftung, die Ruth Baumgartes künstlerisches Lebenswerk zukünftig verwalten, fördern und darüber hinaus alljährlich einen Preis an einen figurativ arbeitenden Künstler verleihen wird.

Die 1923 in Coburg geborene und in Berlin aufgewachsene Künstlerin stammt aus einer alten Theaterfamilie. Ihr Vater war der UFA Direktor und Mehrheitseigner der Tobis Filmproduktionen Kurt Rupli und ihre Mutter die anerkannte Schaupspielerin Margret Kellner-Conrady. Ihre erste künstlerische Ausbildung erhielt sie bereits als Schülerin und besuchte 1938 die bekannte Kunstschule des Westens, Emmy Stahlmann, Berlin.
Von 1940-44 studierte sie freie Graphik und Malerei an der Hochschule für bildende Künste Berlin bei den Professoren Ulrich, Michel, Tank, Franzke und Wehlte. Bei Prof. Ulrich wurde sie Meisterschülerin. Während des Studiums war sie ständige Mitarbeiterin des „Kaskeline-Zeichentrickfilm-Ateliers", Berlin. Infolge der Evakuierung der Hochschule im Zweiten Weltkrieg ging sie kurz nach Dresden. Wenige Wochen vor der Zerstörung der Stadt wechselte sie in ein Meisteratelier der staatlichen Industrie- und Kunstgewerbeschule in Sonneberg in Thüringen, bevor sie nach Berlin zurückkehrte.
Das Kriegsende erlebte die junge Künstlerin in Berlin. Nach der Kapitulation Deutschlands wurde sie dort Pressezeichnerin an der ersten deutsch-russischen Tageszeitung und Kunstlehrerin am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium. Nur aufgrund ihrer ersten Ehe mit einem aus Bielefeld stammenden Künstler siedelte sie 1946 nach Westdeutschland um. Die Ehe hielt trotz ihres ersten Sohnes Thomas nur noch kurze Zeit. Ruth Baumgarte wurde seit 1947 Illustratorin diverser Verlage und Zeitschriften, so auch der in Bielefeld ansässigen Freien Presse (einer Vorgänger Zeitung der heutigen Neuen Westfälischen). Tausende Illustrationen entstanden für Bücher, Magazine und Zeitschriften. In dieser Zeit begann sie sich auch einen Namen als freischaffende Künstlerin zu machen und präsentierte ihre Arbeiten in vielen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland. Ende der 1940er Jahre lernte sie ihren späteren, zweiten Ehemann, den Industriellen Hans Baumgarte, auf einer Ausstellung ihrer Kinderporträts kennen. 1952 heirateten Ruth und Hans Baumgarte. Aus der Ehe gingen die Kinder Janine (Tierärztin) und Alexander (Galerist und Kunsthändler) hervor. Seit den frühen 1950er Jahren reiste Ruth Baumgarte in viele Länder Europas, den Ostblock, immer wieder nach Afrika, den Orient, Vorderasien und die USA. 1975 gründete sie die bekannte Bielefelder Galerie „Das Fenster", aus welcher Mitte der 1980er Jahre die mit ihrem Sohn Alexander gegründete, heute international agierende Samuelis Baumgarte Galerie und der spätere Unternehmenszweig Art Consulting hervorging.

Ruth Baumgarte hat ein variantenreiches und vielschichtiges Œuvre hinterlassen, in welches die Samuelis Baumgarte Galerie mit der Retrospektive zum 90. Geburtstag einen umfassenden Einblick gewährt. Die Kunst von Ruth Baumgarte, welche fest in der figürlichen Tradition verankert ist, beeindruckt durch einen außergewöhnlichen Kolorismus, welcher sich durch das Gesamtwerk zieht.

Bereits im Frühwerk von Ruth Baumgarte, welches zeitgeschichtlich während der (Kunst-)Diktatur der Nationalsozialisten einzuordnen ist, wird subversive Kritik am bestehenden Regime laut. So thematisiert die frühe Zeichnung „Zigeuner im Regen“ (1942, Kreide, 47 × 37,5 cm) die politischen Zustände und lässt sogar das Thema der Deportation, aber auch subtile Anzeichen vermuteter Vernichtung anklingen, so dass Ruth Baumgarte diese Arbeiten zur damaligen Akademie-Zeit nicht offiziell hätte zeigen können. Ein frühes Belegstück ihrer künstlerischen Selbstbehauptung ist das nonkonformistisch angelegte „Frühe Selbstbildnis“ (1947, Öl auf Hartfaser, 45 × 37 cm). In androgyner Kleidung, mit Baskenmütze und vor allem: mit einer Zigarette im Mund, verstößt sie wie selbstverständlich gleich gegen mehrere Verhaltenskodices der Zeit.
Die Werke unmittelbar nach dem Krieg stimmen als eigene Formulierungen insgesamt überein mit den Rekonstruktionssehnsüchten der Menschen im Nachkriegs-Deutschland. Arbeiten wie „Atelierecke“ (1945, Aquarell, Feder, 38 × 27 cm) und „Stilleben“ (1948, Aquarell, 35,5 × 25 cm) oder Kinderbilder wie „Heidi“ (1949, Aquarell, 36,5 × 27 cm) und „Kleine Tänzerin“ (1950, Pastell auf getöntem Grund, 40 × 30 cm) sind einerseits Verarbeitungen mit damit verbundenen Hoffnungen, andererseits Bilder einer positiven Zukunftszugewandtheit im Rahmen einer Kunst, die neue Erkenntnis, neue Wahrheit sucht. Beeinflusst durch Ihre zahlreichen Reisen in ferne Länder klingt bereits in frühen Arbeiten, wie z.B. „In den Vorstädten“ (1966, Aquarell, 27 × 18 cm), die ausgeprägte Farbigkeit an, welche später in ihrem Afrika-Zyklus seine volle Entfaltung findet. So berührt der Akt „Meditation“ (1975, Aquarell, 59 × 38 cm), nicht nur durch die sinnliche Form der weiblichen Figur, sondern insbesondere durch die intensiv blau-gelbe Farbgebung.

Immer wieder greift Ruth Baumgarte auch tiefgründige, politische und gesellschaftskritische Themen auf, wie in „Der Zweifel“ (1985, Aquarell, 63 × 50 cm) oder „Und die weißverfärbten Gesichter waren plötzlich schwarz“ (1986, Aquarell, 68 × 49 cm). Auch die Arbeiten der Serie „Wintertod“ (1982, Aquarell, 50 × 70 cm), mit der Verschmelzung von Individuum und Landschaft und dem symbolischen Vergleich des Winters als Tod der Natur mit dem Ableben eines Menschen, waren für Ruth Baumgarte immer wichtig und verkörperten bedeutende Erkenntnisse über Welt und Schicksal.

Ein herausragendes Kapitel begann mit ihren Reisen nach Afrika. Beeinflusst durch die für Europäer ungewohnten, unwirklichen Farben des afrikanischen Kontinents, ist die Farbgebung der Afrika-Serie leuchtend, explosiv strahlend und ausdrucksorientiert, fast rauschhaft und schwelgend. So sprechen Ihre Gemälde wie „African Vision“ (1999, Öl auf Leinwand, 120 × 140 cm) oder „The Daily Chat“ (1995, Öl auf Karton, 100 × 73 cm) mit Ihren warmen Farben direkt die Emotionen des Betrachters an. Bei Ruth Baumgarte besitzen die Afrika-Bilder doppelte Relevanz: Einmal als ästhetische Ereignisse, zum anderen als Position im politisch-sozialen Spannungsfeld, wie es in „Rift Valley“ (1997, Öl auf Leinwand, 100 × 120 cm), „Burning Sky“ (1998, Öl auf Leinwand, 118 × 140 cm) oder „Inferno“ (2003, Öl auf Leinwand, 100 × 80 cm) deutlich wird. Auch die Studien und Zeichnungen, vor allem zu Afrika, z.B. „Study I-VI“ (1997, Bleistift, 93 × 62 cm), sind besonders detailliert gestaltet. Impulse aus früheren Beispielen aufnehmend und weiterentwickelnd, spielen sie mit freier, schwingender oder sich knäuelnd verdichtender Linie, um dem Blattgrund eine Gestalt abzuringen.

Der Afrika-Zyklus, welcher mit farbig-leuchtenden, großformatigen Ölgemälden wie dem Tryptychon von 1995/97 „Turn of The Fire“ (120 × 120 cm), „Even the Elephant‘s Death will occur on a single Day“ (120 × 80 cm) und „The Stream of Time“ (120 × 80 cm) die Mainhall dominiert, wurde seit Ende der 1980er Jahre international in großen renommierten Einzelausstellungen, u.a. in New York, London, Rom, Mailand, Paris und Berlin gezeigt."

(Quelle: Pressetext)

 
Vernissage am 06.07.2013 ab 17:00 Uhr
Samuelis Baumgarte Galerie
Samuelis Baumgarte Galerie

Samuelis Baumgarte Galerie

Niederwall 10

3302 Bielefeld

Tel: +49 (0) 521 / 17 35 32

Fax: +49 (0) 521 / 17 35 21

Web: http://www.samuelis-baumgarte.com

Öffnungszeiten

Mo - Fr 10 - 18 Uhr
Sa 10 - 14 Uhr

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