02.05.2015 - 15.08.2015

Renata Lucas

"Wir freuen uns, Sie auf die erste Einzelausstellung von Renata Lucas (*1971 in Ribeirão Preto, Brasilien) in der Galerie aufmerksam zu machen, die wir am 01. Mai anlässlich des Gallery Weekend Berlin eröffnen und bis zum 30. Mai zeigen werden.

Renata Lucas’ weitreichendes Werk bestimmt das vielschichtige Verhältnis zwischen dem Individuum  und seiner urbanen Umwelt. Mit Eingriffen in architektonische und städtische Systeme – von Einschnitten und Öffnungen bis hin zu Verbindungen, Überlagerungen und Doppelungen von definierten Raumstrukturen – manipuliert sie bauliche Gefüge, um die ihnen eingeschriebenen Bestimmungen von Besitztum, Nutzung und sozialem Zusammenhang teils spielerisch, teils radikal offenzulegen, umzubilden und neu zu deuten. Als Bestandteil architektonischer Ordnungen hat sich Lucas auch mit den weitverzweigten Wasserwegen Berlins auseinandergesetzt, die das autonome Element Wasser zu begrenzen und lenken versuchen. Indem Flüsse, Kanäle, das Grundwasser und die Kanalisation die Bauten einer Stadt durch- und umfließen, ergreifen sie von diesen Besitz und verbinden private und öffentliche Sphären auf zum Teil unsichtbare Weise.

Mit fontes e sequestros nimmt Renata Lucas diese Gedanken auf und hat für den Innen- und Außenraum der Galerie neue Arbeiten realisiert. So entsteht im Hof der Galerie eine großformatige Installation, die sich Fragmente des Berliner Stadtraumes zu Eigen macht und auf faszinierende Weise in Beziehung setzt. So entwirft die Künstlerin eine komplexe Brunnenkonstruktion, deren überlagernde Segmente auf drei histo-rische Brunnen in verschiedenen Teilen der Stadt Bezug nehmen. Dieses Ineinandergreifen bruchstück-hafter Baukörper aus unterschiedlichen sozialen Kontexten und Epochen – dem späten wilhelminischen 19. Jahrhundert sowie den 20er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts – untersucht die Strukturen der Stadt anhand ihrer gebauten Sprache und offenbarten Schnittstellen.

Die Installation der Künstlerin besteht aus vier sich überlagernden Halbkreisbassins. Das dem ältesten Brunnen im Berliner Tiergarten, Triton (1888), nachempfundene Becken wird vom Eva-Brunnen (1927) gekreuzt, einem heute isoliert auf einer Verkehrsinsel gelegenen Exemplar in Alt-Tempelhof. Diesen wiederum quert Tanz der Jugend (1984), der mit seinen farbigen Keramikkacheln ein Zeugnis der späten DDR-Moderne in Marzahn ist. Beschnitten und ihrer zentralen Skulpturen beraubt, sind sie Fragmente des öffentlichen Raums von Berlin, die Lucas dekonstruiert und so neu organisiert, um Zeit und Raum zu verschränken. Der wechselseitige Austausch zwischen den einzelnen Baukörpern wird vom Fluss des Wassers aufgenommen, das über Fontänen in die Becken strömt und in Lucas’ Brunnensystem in einen endlosen Kreislauf tritt.

Arbeiten von Renata Lucas wurden in den letzten Jahren in internationalen Einzel- und Gruppenaus-stellungen gezeigt. Hierunter waren Einzelpräsentationen bei Redcat in Los Angeles (2007), Gasworks in London (2007), im KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2010), in der Wiener Secession (2014) sowie ortsspezifische Arbeiten für die 27. Bienal de São Paulo (2006), die 53. Biennale di Venezia (2009), die 12. Istanbul Biennale (2011) und die dOCUMENTA(13) (2012). Renata Lucas erhielt 2010 den Dena Foundation Art Award und den Kunstpreis der Schering Stiftung. Als Preisträgerin des Absolut Art Award 2013 realisierte sie im letzten Jahr ihr umfangreiches Projekt Museu do Homem Diagonal (Museum of the Diagonal Man) in Rio de Janeiro."

(Quelle: Pressetext)

 
Vernissage am 01.05.2015 ab 18:00 Uhr
Neugerriemschneider
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