18.09.2009 - 25.04.2010

Siegfried Korth und Heinrich Ehmsen

Siegfried Korth "Porträt des Schweissers Kühnel von der Brigade Rossmann der VEB Volkswerft Stralsund", 1964 © Kulturhistorisches Museum, courtesy Stralsundtadtgalerie Kiel
Siegfried Korth "Porträt des Schweissers Kühnel von der Brigade Rossmann der VEB Volkswerft Stralsund", 1964 © Kulturhistorisches Museum, courtesy Stralsundtadtgalerie Kiel

"Heinrich Ehmsen, der in seiner Kunst auch Erlebnisse der beiden Weltkriege verarbeitet hat und dessen Bilder auf der Ausstellung »Entartete Kunst« gezeigt wurden, war 1945 Mitbegründer und Prorektor der Hochschule für Bildende Künste in Berlin [West]. Nachdem er sich 1949 durch Unterschrift mit dem »Pariser Friedensmanifest« solidarisch erklärt hatte, wurde er aus der Hochschule entlassen. Er siedelte in die DDR um und wurde nun Gründungsmitglied der Akademie der Künste der DDR in Berlin [Ost], an der er auch ein Meisteratelier übernahm.

Als Siegfried Korth 1948 aus Kriegseinsatz und -gefangenschaft in Russland zurück nach Stralsund kommt, ist er psychisch und körperlich vom Krieg gezeichnet. Er wirdals Zeichner und Registrator und als Kulturreferent auf der im Aufbau befindlichen Stralsunder Volkswerft tätig. Die Werft delegiert ihn 1950 zum Studium an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee, die er 1955 abschließt. In Anerkennung seiner Leistung folgt dann eine Zeit als Meisterschüler an der Akademie der Künste [Ost] bei Otto Nagel und Heinrich Ehmsen.

Nach der 1. Bitterfelder Konferenz von 1959 sollte Kunst in der DDR politisch instrumentalisiert werden, um eine enge Verbindung zwischen Leben und Arbeit von Kunstschaffenden und Werktätigen vorzuspiegeln. Als Korth nach dem Studium wieder in der Werft tätig ist, betreut er hier auch künstlerische Zirkel. Großformatige Gemälde aus den 1960er Jahren zeigen das Gelände der Volkswerft und Schiffbauer bei der Arbeit. Die schematische Darstellung und eine sachlich-kühle Charakterisierung von Menschen verbinden ihn mit seinem Lehrer Ehmsen.

Die Formstrenge, die in den Bildnissen anklingt, entfaltet Korth jedoch vollends in seinen Landschaftsstücken. Einsame Fischerstrände und menschenleere Gebäude im kubistischen Stil vermitteln in seinen frühen Bildern eine rätselhafte Stille in der Art der pittura metafisica. Später entfernt er sich von der kargen Bildsprache und Vereinzelung auf dem Malgrund und splittert Architekturansichten seiner Heimatstadt Stralsund in prismatische Strukturen auf, die an Lyonel Feininger denken lassen.

Korth erhielt oft staatliche Aufträge für wandgebundene Arbeiten – obwohl seine Bildsprache häufig auf das Unverständnis der damaligen kulturpolitischen Verantwortlichen stieß. Anfang der 1970er Jahre übersiedelt er in den Bezirk Frankfurt an der Oder. Hier setzt er sich thematisch mit dem II. Weltkrieg und den Konzentrationslagern auseinander. 1985 stirbt er in Wismar infolge der Gesundheitsschäden aus der Kriegszeit."
(Pressetext: Stadtgalerie Kiel)

 
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