03.07.2009 - 04.10.2009

Tomi Ungerer - Illustrationen aus einer Privatsammlung

Tomi Ungerer "Zum Jahr der Graphik" 2009, Schwarze Tusche, laviert, Privatsammlung, courtesy Ephraim-Palais, Berlin
Tomi Ungerer "Zum Jahr der Graphik" 2009, Schwarze Tusche, laviert, Privatsammlung, courtesy Ephraim-Palais, Berlin

"Eine Sonderschau widmet sich dem Preisträger der Hans-Meid-Stiftung von 2008: Tomi Ungerer (geb. 1931). Seine Jugend verbrachte Ungerer im Elsass unter dem Eindruck einer erzwungenen Germanisierung durch die deutsche Besatzung. In seinen Texten und Illustrationen taucht dieses Thema immer wieder auf. Für seine Verdienste um das deutsch-französische Verständnis wurde er später mehrfach ausgezeichnet. Ungerer arbeitete u. a. für die Zeitungen und Zeitschriften Esquire, Life, Holiday, Harper’s Bazar und The New York Times. International wurde er durch seine Kinderbücher, politischen Karikaturen, Gesellschaftssatiren und erotischen Phantasien bekannt. Die ganze Vielseitigkeit seines Werks spiegelt sich in den zusammengestellten Blättern wider, die der Künstler aus seiner Privatsammlung mit ausgesucht hat. Ungerers große Stärke ist es, sich sowohl stilistisch als auch technisch ganz unterschiedlichen Genres anpassen zu können. Dabei besitzt er einen ausgeprägten eigenen Stil, den man auf Anhieb erkennt.

Bestechend sind auch die Unterschiede, etwa zwischen den Kinderbüchern und den satirischen und werbegraphischen Arbeiten. In seinen Cartoons ist die Linienführung spitz und schneidend, das Dargestellte scheint dem Betrachter beinahe vom Blatt entgegenzuspringen. In seinen Kinderbüchern und Werbegraphiken sind die Linien deutlich weicher und runder. Im Allgemeinen überwiegt die lineare Darstellung, bisweilen verleiht Ungerer jedoch seinen Zeichnungen durch Schraffuren und Schattierungen eine räumliche Tiefe.

Die graphische Leichtigkeit, die sein Werk kennzeichnet und so natürlich wirken lässt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer strengen Disziplin. Wenn Ungerer die Haltung einer Figur oder ein anderes Detail nicht gefällt, entscheidet er sich häufig, noch einmal ganz von vorn zu beginnen. Bezüge zur Kunstgeschichte, aber auch zum Kino und zur Literatur, sind in seinem Werk keine Seltenheit. Die nahezu unerschöpfliche Neugier und das enzyklopädische Wissen des Künstlers rühren vermutlich daher, dass er sich trotz des kurzen Studiums an der École Municipale des Art Décoratifs in Straßburg als Autodidakt versteht.
Ungerer macht kein Geheimnis aus den Künstlern, die ihn inspiriert haben: „Die Haupteinflüsse meiner Arbeit waren in meiner Kindheit Matthias Grünewald, Dürer und Schongauer ebenso wie die elsässischen Illustratoren Hansi und Schnug. Später kamen Goya, Bosch, japanische Holzschnitte (Hokusai etc.), alte Simplicissimus-Ausgaben und Wilhelm Busch hinzu.“

Es gibt Aspekte in seinen Arbeiten – die Zeit, den Tod, die Mechanik, die Mechanisierung der Gesellschaft, die Frau, die Kritik an sozialen und politischen Verhältnissen –, die als Leitmotiv immer wiederkehren. Ein weiteres zentrales Thema ist die Metamorphose. In seinen graphischen Spielereien unterwirft Ungerer sämtliche Formen, belebte Wesen wie unbelebte Objekte, den skurrilsten Umwandlungen und schafft auf diese Weise hybride Geschöpfe und Gebilde."
(Pressemitteilung: Ephraim-Palais)

 
Ephraim-Palais
Ephraim Palais, Foto: Straube © Stiftung Stadtmuseum Berlin/Ephraim Palais

Ephraim-Palais

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