20.01.2011 - 30.01.2011

3 x 6 + 1 : Teil I

"Den Arbeiten der ausstellenden Künstler ist die Gratwanderung zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion gemeinsam. Der zu diesem Punkt führende Prozess erfolgt einerseits aus der Rezeption der Außenwelt, andererseits aus Selbstreflektion und Einsichten oder einem Wechsel zwischen beidem. Bewegung wird dabei unterschiedlich wahrgenommen, verstanden und umgesetzt - sowohl die eigene Bewegung bei der bloßen Wahrnehmung des Motivs als auch die Kamerafahrt oder das fokussierende Objektiv bei der fotografischen Aufnahme und die statische Aufnahme eines sich bewegendes Objektes mit der damit verbundenen Unschärfe.

Die Bilder von Barbara Zirpins entspringen einer spontanen Bewegung, die in ständiger Verwandlung figurative und abstrakte Zeichen hervor bringt. Form und Farbe öffnen sich einer vieldeutigen Gestaltung, die ähnlich einem Gedicht, Phantasie und Einfühlungsvermögen des Betrachters in Bewegung bringt.

Die Qualität der Bewegungsunschärfe weisen die 2010 gemalten Porträtstudien von Angelika Schneider-von Maydell auf: In ihrem Zyklus «Selbstversuch», der auf der Auswertung von Dokumentarfilm-Material beruht, visualisiert die Künstlerin die Schmerzensschreie und verzerrte Mimik von Polizisten, die aneinander die Wirkungsweise eines Tasers testen. Der Taser ist eine Elektroschockwaffe zur Bekämpfung ziviler Unruhen, die beim Opfer sofortige Lähmung und unvorstellbare Schmerzen ('Vernichtungsschmerz-Trauma') erzeugt.

Bewegungsunschärfe sind das Resultat der Bilder von Maria Carolina Patino Mayer. Die Serie der Lochkamera- Aufnahmen der «Stadbäume» dokumentieren einen Verlauf und das Entstandene. In ihren Schwarz Weiss Fotografien scheint sich die Form mit dem Einfluss der Zeit aufzulösen wie sich wieder neu zu ordnen.

Die Arbeit von Andrea Streit behandelt Form auf einer konzentrierten und reduzierenden Weise. Ausgangspunkt ihrer malerischen Schöpfung sind selbst gemachte Fotografien. Ansichten von Menschen, der Augenhöhe entrückt - 'von oben' oder 'unten durch'. Köpfe, Rümpfe, Gliedmassen und Accessoires ordnen sich völlig, in ungewohnten Positionen auf zweidimensionalen Abbildflächen an. Aus dem Rohmaterial werden neue Möglichkeiten geschaffen. Das Oben und Untender Körperformen wird zuweilen verstärkt, dann aber auch ins Gegenteil verkehrt oder aufgehoben. Menschliche Anatomie erscheint nicht mehr Fixum, sondern als Spiel auseinander fallender bzw. zerfallender Formen, die stets neu zusammengesetzt werden, allein durch den Betrachter oder durch die Art der Betrachtung.

Christoph Damm bewegt sich mit seinen Überlegungen bezüglich der Installation zwischen naturwissenschaftlicher Beobachtung und geisteswissenschaftlicher Interpretation. Von der Tischinstallation 2010/1 geht eine starke Atmosphäre aus, die eine hintergründige Dimension vermuten lässt. Seine Aufmerksamkeit richtet der Künstler hierbei auf die verwendeten Materialien hinsichtlich ihrer Wirkung und Aussage. Material und Form sowie Komposition verbergen Fragen an die Installation und damit einhergehend den Blick auf das Verhältnis zwischen Mensch, Natur und Kultur.

Andrzej J. Piwarski versteht seine Malerei als die visuelle Aufzeichnung menschlicher Geschichte in Zeit und Raum, als Spur einziger, unwiederholbarer Existenz – Zeit – Zeichen. Das Thema Zeitspuren ist für den Künstler nicht nur ein Medium des künstlerischen Ausdrucks, sondern auch ein Mittel gegen entmenschlichende Wirkungen der Zivilisation. Die Landschaft im Zustand der Bedrohung, die Konfrontation zwischen der Natur und den Elementen auf der einen, der Zivilisation und ihren Ergebnissen auf der anderen Seite. Der Mensch als unmittelbarer Verursacher dieser Konfrontation ist immer ratloser, verlorener. 'starke' Pinselstriche; spritzende, pulsierende Farbe mit den Zeichen von Rissen wendet der Künstler an um existentielle Fragen zu visualisieren."
(Pressetext: Verein Berliner Künstler)

 
Vernissage am 19.01.2011 ab 19:00 Uhr
Verein Berliner Künstler
courtesy Verein Berliner Künstler, Berlin

Verein Berliner Künstler

Schöneberger Ufer 57

10785 Berlin

Tel: +49 (0) 30 / 26 12 39 9

Fax: +49 (0) 30 / 26 93 19 16

Web: http://www.vbk-art.de

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