26.03.2011 - 08.05.2011

Falk Weiß | EINHEIT / UNIT / UNITÉ IV

"Falk Weiß, Fotograf und Architekt, baut seit 2003 an einem Haus aus Milchkartons. Die fragile Raumbegrenzung aus aufgeschnittenen und verklammerten Verpackungen erinnert wechselweise an Hochhausarchitekturen oder Bienenwaben, an Urnengrabstätten oder Ghettobehausungen und lässt viel Spielraum für reale und imaginäre Nutzungen.

Ursprünglich entstand die Idee aus dem Wunsch von Weiß' Sohn Tadeus, eine Bude für die Lagerung, Ausstellung und den Verkauf von Fundstücken zu bauen. Was als Kinderspiel begann, das Aufeinanderstapeln von Kartons, hat schließlich die Vorstellungskraft der ganzen Familie beflügelt. Und von welcher Skulptur ließe sich sagen, dass ihr Wachstum den Konsum von Nahrungsmitteln im Familienkreis widerspiegelte? Doch die Kunst wirkte auch auf den Alltag und das Konsumverhalten zurück: Milch aus Glasflaschen waren und sind im Haushalt von Falk Weiß tabu. Die Umsetzung als work-in-progress in Form einer an Höhe und Länge stetig wachsenden Interieur-Architektur wäre ohne das Zutun einer erweiterten Gemeinschaft, den Freundes- und Verwandtenkreis nicht möglich gewesen – insofern ist das Milchkartonhaus auch eine soziale Skulptur.

Mehrere Präsentationen an (halb-)öffentlichen Orten haben in den vergangenen Jahren stattgefunden und gezeigt, wie wirkungsvoll die Erweiterung der skulpturalen Form zur begehbaren Rauminstallation ist. Ver-rückt, wie die Wahrnehmung sich zwischen den Differenzen der verschiedenen Proportionen verschiebt: vom Raumvolumen einer Milchverpackung zur modernistischen Lochfassade, von der seriellen Struktur zur geschlossenen, über mannshohen schwankenden Gestalt, die mit einer eigenen, wabenhaften Organik in Erscheinung tritt.

Die Leerform als Voraussetzung für ihre praktische und symbolische Neubesetzung entfaltet eine besondere ästhetische Prägnanz in der Fotografie. Die fotografische Perspektivierung der Kartonreihen erzeugt Dehnungen und Wölbungen von großer räumlicher Suggestionskraft und auch die Lichtinszenierung des Originals wird in der Fotografie verstärkt. Der Verlust des Materialcharakters der Tetra Paks im fotografischen Abbild wird durch die Brillanz der feinen, durchscheinenden Strukturen mehr als ausgeglichen. Im Blickwechsel zwischen Skulptur und Fotografie treten im Galerieraum beide Medien in einen visuellen Dialog, der als Beispiel für die individuelle Annäherung der Betrachterinnen und Betrachter dienen kann."
(Pressetext: Marvin Altner)

 
Galerie Kurt im Hirsch
Galerie Kurt im Hirsch

Galerie Kurt im Hirsch

Kastanienallee 12

10435 Berlin

Tel: +49 (0) 30 / 992 147 26

Web: http://www.kurt-im-hirsch.de

Öffnungszeiten

Fr - Sa 18 - 20 Uhr
So 16 - 20 Uhr

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