15.04.2011 - 04.06.2011

LISA TAN | What follows is an ordinary situation, an episode to be related and forgotten

"ANDREAS GRIMM MUNCHEN freut sich Ihnen die dritte Einzelausstellung von Lisa Tan (geboren 1973, Syracuse, USA) zu präsentieren. Das Werk der Künstlerin spiegelt ihr beständiges Interesse am Thema des Verlusts als konstanter und dennoch veränderlicher Seinszustand, welcher das Alltägliche formt während er das Tiefgründige vorwegnimmt. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch eine elegante visuelle Reduziertheit aus und erstrecken sich über die Medien der Photographie, Videokunst, Skulpturen, Zeichnungen, Texten… sowie einem Champagner Cocktail.

Für diese Ausstellung hat Lisa Tan zurückhaltende Arbeiten zusammengestellt, die sich in verquerer Weise aufeinander beziehen und dabei dem Betrachter reichlich interpretatorischen Freiraum gewähren – vielleicht um sich mit dem seltsamen, beinah fatalistischen Titel ihrer Schau auseinanderzusetzen. Was ist eine gewöhnliche Situation, und wie generiert Vergessen einen selbstreflektierenden Zustand? Die Ausstellung besteht, mit Ausnahme einer Photographie, aus Arbeiten auf Papier, welche eine Ästhetik des Vergessens etablieren, die sich aus dem Spannungsfeld zwischen Bild und Sprache, den verschiedenen Stadien der Sichtbarkeit sowie den Einflüssen von Zeit und Natur speist.

Bei der gewöhnlichen Situation handelt es sich in diesem Fall um eine lang bestehende Freundschaft – festgehalten in Briefen an die Galionsfigur der französischen Romantik, Eugène Delacroix, von seiner lebenslangen Freundin (und ehemaligen Geliebten), der trefflicher Weise genannten Mme de Forget. Die Serie, die zwischen 2010 und 2011 entstand, trägt den Titel In Search of the Forgotten, Letters from Mme de Forget to Eugène Delacroix und besteht aus filigranen Chine Collé Drucken, bei denen es sich um Reproduktionen ausgewählter Briefe handelt, die über einen Zeitraum von mehreren Dekaden geschrieben wurden (besonderer Dank geht hierbei an das Archiv départementales du Val-de-Mame).

Bei den Werken Alle Worte, die sich nicht allein mit Worten beschreiben lassen (Duden, Mannheim 1970),2011, und Bilder, die alle Worte beschreiben, die sich nicht allein mit Worten beschreiben lassen (Duden, Mannheim 1970), 2011, handelt es sich um zwei zusammengehörende Arbeiten. Tan hat sich hierbei mit verschiedenen Fremdsprachenlexika beschäftigt und inwiefern diese auch ein Gefühl des Verlorenseins erzeugen können. Sprache wird hierbei als eine fortwährende und paradoxe Verschleierung und Umdeutung der Dinge begriffen, die sie eigentlich beschreiben sollte. Dabei verweisen die Arbeiten auch auf die Möglichkeit der veränderlichen Auffassung von Bildern und deren scheinbar fixen Erklärung und Definierung eines Gegenstandes.

Die Arbeit 2 Americans, 2010, zeigt einen, in der Art der Blindenschrift gestempelten Text, welcher sich auf einen Artikel aus der New York Times über den Absturz der Air France Maschine 447 bezieht. Der im frühen Juni 2009 publizierte Text berichtet, über die Unauffindbarkeit des Passagierflugzeuges zwischen seinem Start in Rio de Janeiro und seinem Zielort Paris. Der kaum sichtbare Text stellt eine Auflistung der Nationalitäten der Verstorbenen dar, und wirkt dabei störend wenn nicht gar respektlos, wie die Besetzungsliste eines Theaterstückes.

Die einzige photographische Arbeit in der Ausstellung, Alter Nordfriedhof May 2001, 2011, besteht aus einer Sammlung spontaner Schnappschüsse auf dem titelgebenden Friedhof in München an einem Frühlingstag. Von einem entfernten Standpunkt aus betrachtet, scheint die gerahmte Arbeit eine beinah abstrakte, grüne Netzstruktur darzustellen. Eine genauere Inspizierung enthüllt jedoch, dass es sich bei dem 'grünen Netz' um Weinranken und Blumen handelt, die sich verhüllend über die Gräber ranken und lediglich noch deren Silhouette erahnen lassen und dabei eine wundervolle Art von Anonymität erzeugen.

Lisa Tan lebt in Stockholm und New York. Sie erhielt ihr M.F.A. an der University of Southern California (USC). Ihre Arbeiten wurden bereits an folgenden Orten ausgestellt: Artists Space (New York), Galerie VidalCuglietta (Brussels), Centro Galego de Arte Contemporáneo CGAC (Santiago de Compostela), Galerie Nordenhake (Stockholm), Kadist Art Foundation (Paris), Galeria Marília Razuk (São Paulo), El Centro Cultural Montehermoso (Vitoria-Gasteiz), Galerie Kamm (Berlin), D’Amelio Terras (New York).

Die Galerie ANDREAS GRIMM MUNCHEN freut sich allen Kunstinteressierten mitzuteilen, dass die Ausstellungseröffnung am 14. April 2011 mit der gemeinsamen Abendöffnung aller Galerien in der Maxvorstadt zusammenfällt."
(Pressetext: Andreas Grimm)

 
Andreas Grimm
Andreas Grimm München

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