23.10.2011 - 05.02.2012

Mamma Andersson: "Dog Days"

Mamma Andersson (*1962 Luleå, Schweden) gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Künstlern Skandinaviens. Ihren ersten internationalen Erfolg hatte sie 2003, als sie anlässlich der Biennale Venedig in den nordischen Pavillon eingeladen wurde. Im Jahr 2007 richtete das Moderna Museet, Stockholm, ihre erste Retrospektive aus, die anschließend in Helsinki und London gezeigt wurde. Mit der eigens für das Museum Haus Esters, Krefeld, konzipierten Ausstellung wird die Künstlerin nun zum ersten Mal in Deutschland vorgestellt.

In ihrer Malerei verbindet Andersson zeitgenössische Mentalitäten mit einer spezifisch nordischen Maltradition, für die etwa Künstler wie Dick Bengtsson (1936-1989), Carl Fredrik Hill (1849-1911) oder Ernst Josephson (1851-1906) einstehen. Verschiedene Quellen fließen in ihren Gemälden zu überraschenden, mehrschichtigen Amalgamen zusammen. So holt sie einerseits in die Tradition nordischer Landschaftsmalerei aus, andererseits verwendet sie Interieurs, die aus kriminaltech- nischen Recherchen stammen und daher ungeschminkte, gewöhnliche Räume zeigen, die sonst nicht dokumentiert werden. „Es ist die alltägliche, langweilige Zeit, die mich am meisten anzieht“, so die Künstlerin. Ferner benutzt sie Szenarien aus Theaterprospekten, in denen reale Lebenssituationen konzentriert veranschaulicht werden. Nicht zuletzt fließen immer persönliche Lebenserfahrungen mit ein: Die subjektive, emotionale Perspektive ist integraler Bestandteil ihrer Bildwelten.

Mamma Andersson malt nicht in Serien; vielmehr ist jedes Gemälde von einer eigenen inneren Notwendigkeit geleitet. Das gilt auch für die Maltechnik. Im Laufe der Jahre hat sich die Künstlerin ein ganzes Arsenal experimenteller maltechnischer Möglichkeiten erarbeitet, die aber stets auf das Bildmotiv abgestimmt und dort mit Bedeutung imprägniert werden. Sie wechselt dabei

ohne weiteres von minutiöser Detailtreue zu gestisch-abstrakten Partien, die den Gemälden eine geradezu unheimliche Suggestivkraft verleihen. So gerät etwa die Darstellung eines gewöhnlichen Spaziergangs zu einem mehr oder minder offenen Familiendrama, in welchem ihre Protagonisten mit psychologischer Schärfe umrissen werden. Auch wo die Künstlerin auf die Darstellung

von Personen verzichtet, werden Interieurs und Dinge der Aussenwelt durch malerische Mittel psychologisch aufgeladen. So entpuppt sich die Darstellung eines gewöhnlichen Kinderzimmers näher besehen als Ort von Einsamkeit und Destruktion, ein leeres Schiffsdeck von schwarzer See umgeben als Metapher existenziellen Ausgeliefertseins. Mit spärlichen, auf das Notwendigstekonzentrierten Gesten und Detailschilderungen gelingt es Mamma Andersson, Szenarien zu entwerfen, die immer auf die Conditio humana als Ganzes zielen.

In der Krefelder Ausstellung Dog Days werden etwa 14 neue Gemälde und 4 Arbeiten auf Papier gezeigt werden, die im Zeitraum eines Jahres entstanden sind. Im Laufe der Ausstellung (voraussichtlich Dezember) wird ein Katalog erscheinen, der sämtliche Arbeiten dokumentiert, mit Texten von Elfriede Jelinek und Martin Hentschel.
(Pressetext: Kunstmuseen Krefeld)

 
Museen Haus Lange - Haus Esters
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